Bankenpleite, Konkurs der Zombiefirmen: Der Eurozone droht ein Dominoeffekt

Banken pleite, Zombiefirmen: Eurozone droht ein Dominoeffekt
In Anlehnung an Nassim Nicholas Taleb bezeichnet der Volkswirt Markus Krall eine Katastrophe wie die Banken-Pleite und den Konkurs der Zombiefirmen als »Schwarzen Schwan«. Die größere Gefahr sei aber, dass womöglich eine Kettenreaktion ausgelöst werde, bei der alle Systeme der hoch verschuldeten Staaten wie Dominosteine zusammenbrechen: Der Schwarze Schwan kriegt Junge. Ihre letzte Rettung sehen die überschuldeten Banken in der Abschaffung des Bargelds, die unter der Führung amerikanischer Konzerne in der 3. Welt bereits weit vorangeschritten ist. Die große Angst der Banken ist ja ein Bank-Run und die Flucht ins Bargeld. Wenn es aber kein Bargeld mehr gibt …

Banken pleite, Zombiefirmen: Für Markus Krall ist der Nullzins der Europäischen Zentralbank ein „Vehikel zum Geldtransfer von Nord- nach Südeuropa“ und ein Schneeballsystem. So kaufte die EZB für 2200 Mrd. € Unternehmens- und Staatsanleihen auf. Doch das Monster des „planwirtschaftlichen Machbarkeitswahns“ wird nach Ansicht des Ökonomen krachend scheitern. In einem Jahr werden die ersten der 15% Zombie-Unternehmen in Konkurs gehen und am Ende die meisten Banken der Eurozone kollabieren: „Das System ist pleite. Es frisst mehr Kapital auf als die Banken Eigenkapital haben, wenn die Zombiefirmen pleitegehen.“ Schlussendlich werde die EZB die Banken retten und dafür 7500 bis 8500 Milliarden hervorzaubern müssen. Dann drohe eine Hyper-Inflation von 50% pro Monat!

Von Thomas Rettig

Dass uns eine Mega-Rezession bevorsteht, sagen auch andere Ökonomen wie z.B. Marc Friedrich und Max Otte. Doch Markus Krall, Experte für Banken-Risikomanagement, prognostiziert den Beginn des Zusammenbruchs recht genau für das dritte Quartal 2020 (siehe mein Beitrag: Der Crash als Chance für einen Neustart mit freier Marktwirtschaft). Dann nämlich werden seiner Berechnung nach die ersten europäischen Banken pleite gehen (+ die Zombiefirmen). Als Beleg präsentiert er bei längeren Vorträgen (und in seinem Buch) Diagramme mit der zunehmend prekären Ertragslage der Kreditinstitute in der Eurozone (in Kiel Minute 30:30).

Die Kritik Kralls am Kurs von EZB-Präsident Mario Draghi wird jetzt auch von acht ehemaligen Zentralbankern geteilt, die am 04.10.19 in der FAZ ein Memorandum auf Englisch veröffentlichten. Darin verwenden sie sogar den Begriff der »Zombifizierung« der freien Wirtschaft: „Ranghohe ehemalige Notenbanker aus vier europäischen Ländern gehen mit der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank scharf ins Gericht. Wie aus einem zweiseitigen Memorandum hervorgeht, mahnen sie mit Nachdruck zur Rückbesinnung auf die vertraglich vereinbarten Ursprungsprinzipien. Zu den Autoren gehört auf deutscher Seite der bis 2012 amtierende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, sein Vorgänger Otmar Issing sowie der frühere Bundesbank-Präsident Helmut Schlesinger“ (FAZ vom 04.10.19: Notenbanker geißeln EZB-Geldpolitik).

Konkurs der Zombiefirmen

Während eines Vortrags bei der AfD-Fraktion in Kiel am 20.09.19 erläuterte Markus Krall („Der Draghi-Crash“) wie und warum der Kollaps der Banken und der Rettungsversuch (die Verstaatlichung) durch die Europäische Zentralbank (EZB) voraussichtlich ablaufen werden. Dabei kommentierte der libertäre Ökonom die zu erwartenden Vorgänge mit einer gehörigen Portion Sarkasmus:

„Was passiert dann, wenn sich 2020 in ungefähr zwölf Monaten diese Krise zuspitzt: Das ist relativ einfach – die Zombies werden kippen, das sind 15 Prozent aller Unternehmen, und die haben etwa 1500 bis 1800 Milliarden Kredite bei den Banken. Dazu kommen 1000 Milliarden Kredite, die schon ausgefallen sind im europäischen Bankensystem, und die nicht anständig verbucht sind. Nennen Sie’s mal Bilanzgestaltung, um hässlichere Worte zu vermeiden [Gelächter]. (…) Also haben wir eine Lücke von 2500 bis 2800 Milliarden im europäischen Bankensystem. Die europäischen Banken haben aber nur 1600 Milliarden Euro Eigenkapital! Das heißt: Der Verlust überschreitet das Eigenkapital. Und wenn der Verlust höher ist als das Eigenkapital, dann sind die Banken überschuldet. Und Überschuldung, meine Damen und Herren, ist ein Insolvenz-Tatbestand! Wenn Sie überschuldet sind, dann heben Sie die Hand, Sie leisten den Offenbarungseid und Sie gehen zum Konkursrichter. Das heißt: Das System ist pleite. Es frisst mehr Kapital auf als die Banken Eigenkapital haben, wenn die Zombiefirmen pleitegehen.

Die Wähler werden sagen: Was, schon wieder Banken retten?

Das ist natürlich eine schlechte Nachricht. Und wenn die ersten Banken kippen irgendwann mal in 2021, dann werden die Staaten zunächst einmal versuchen, sich dem entgegenzustellen und sagen: Dann müssen wir halt Bankenrettung machen. Die Wähler werden sagen: Was, schon wieder?

Die Staaten werden also Bankenrettung machen. Und sie werden nach der zweiten oder dritten Hammer-Bank, die mal so richtig 500 Milliarden am Stück verschlingt, feststellen, dass sie nicht genug Geld haben, um das zu bezahlen! Aber zum Glück gibt es eine Adresse, die hat so viel Geld, die kann’s nämlich drucken, und das ist die EZB. Das ist zwar illegal, wenn die EZB die Banken rettet, aber wen kümmert’s! Wir waten ja auch heute schon knietief durch die Illegalität. Und das wird vom Bundesverfassungsgericht durchgewunken, das im Grunde genommen seine Abdankungsurkunde schon unterzeichnet hat.

Die Frage ist dann: Wie teuer ist denn die Bankenrettung? 2008 haben wir gelernt: Wenn eine Bank erst einmal gekippt ist und man sie retten will, braucht man das dreifache Geld von dem, was sie verloren hat. Und zwar deswegen, weil kein Mensch der Bank mehr vertraut. Und weil jeder sofort auf die Bank rennt und all sein Geld abhebt, wenn das Loch nicht mit so viel Geld gestopft wird, dass jeder sagt: Ja also da kann jetzt wirklich nichts mehr passieren.

EZB wird für Verstaatlichung der Pleite-Banken 7,5 bis 8,5 Billionen € generieren müssen

Dieser Betrag ist dreimal so hoch wie die Lücke, die das Problem gerissen hat. Also reden wir nicht von 2500 bis 2800, sondern von 7500 bis 8500 Milliarden Euro. Das ist ungefähr das europäische Sozialprodukt und entspricht auch knapp 85 Prozent der Schulden, die die europäischen Staaten insgesamt jetzt schon haben, von Italien bis Berlin. Das ist die Summe, die die EZB zur Verfügung stellen müsste, um die Banken zu retten. Und wird, meine Damen und Herren, und wird!“

(Fraktion im Dialog mit Dr. Markus Krall: 45:54)

Europäische Banken pleite, Zombiefirmen in Konkurs – Krall macht in erster Linie die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank für die von ihm prophezeite Weltwirtschaftskrise verantwortlich. Eines der Probleme sei, dass die EZB ihre Legitimation unter anderem auf komplexen Modellrechnungen begründe: „Die keynesianischen Modelle, auf die sich die EZB verlässt, das sind gigantische Modelle mit vielen, vielen Formeln und viel Mathematik, die nicht informiert, sondern nur beeindrucken soll. Das haben sie übrigens mit den Klima-Modellen gemeinsam, die sind genauso kompliziert und funktionieren genauso wenig. Die sollen Wissenschaftlichkeit vortäuschen“, sagte der Bestseller-Autor kürzlich bei dem Vortrag in Kiel (Fraktion im Dialog mit Dr. Markus Krall, 20.09.19, Min. 7:59).

Anlehnung an Talebs Trilogie vom »Schwarzen Schwan«

Die Verwendung von komplexen Computermodellen hat vor rund zehn Jahren auch der amerikanische Philosoph und Zufallsmathematiker Nassim Nicholas Taleb in seiner Trilogie vom Schwarzen Schwan bemängelt. Zum Beispiel weil sie dazu verleiten, das Modell mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Taleb kritisierte unter anderem die Politik des leichten Geldes. Mehrmals warnte er, dass die geldpolitischen Experimente, bei denen die Notenbanken der USA, der EU und Japans die Lenkungsfunktion der Zinsen konterkarieren, ein extremes Risiko in sich tragen. Wir täten gut daran, schreibt Taleb, beschwichtigenden Langfrist-Prognosen staatlicher oder staatsnaher Organisationen zu misstrauen, insbesondere in hochkomplexen Systemen wie der Weltwirtschaft. Gemeinsam mit einem Kollegen sei er gerade dabei „ein weiteres Programm für das Risikomanagement zu entwickeln, das Portfolios rubuster gegen Modellfehler machen soll, die vor allem darauf beruhen, dass der Staat bei der Projektion der Defizite falschliegt, was zu einer übermäßigen Kreditaufnahme führt und die Gefahr einer Hyperinflation mit sich bringt“ (Der Schwarze Schwan; Konsequenzen aus der Krise; dtv 2012, Seite 87).

Dann erzählt Taleb, wie er auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos mit dem Lehrbuch-Autor Stanley Fischer debattierte (damaliger Zentralbank-Chef Israels und späterer Vize der US-Notenbank), der nach einem Vortrag auf ihn zukam, um ihn zu korrigieren. Taleb gab Fischer sogar Recht, jedoch nur was normale Zeiten anbetrifft, die er zur Kategorie »Mediokristan« zählt. In »Extremistan« seien dessen Modelle allerdings unbrauchbar. Hintergrund: Der Philosoph des Zufalls teilt den Geschehensablauf in komplexen Gesellschaften in zwei Bereiche: In einen Sektor, in dem die gängigen Statistiken und Prognose-Modelle funktionieren und zutreffen, den er »Mediokristan« nennt. Und in einen anderen Sektor mit einer ungewissen Wahrscheinlichkeit von wilden Zufällen und Ausschlägen, den er »Extremistan« nennt (siehe auch neoliberal-egal.de/#Staatsdefizit).

Taleb zieht nach der Begegnung mit seinem Kritiker folgendes Fazit: „Wenn ich recht habe, müssen wir Fischers Lehrbuch und die Lehrbücher seiner Kollegen auf den Müll werfen. Und auch so ziemlich alle Vorhersagemethoden, bei denen mathematische Gleichungen benutzt werden. Ich habe versucht, die Probleme der Fehler bei der Geldpolitik angesichts von Nichtlinearitäten zu erklären: Man steigert die Geldmenge immer weiter, ohne Ergebnis – bis es zu einer Hyperinflation kommt. Oder zu gar nichts. Man darf Staaten kein Spielzeug geben, das sie nicht verstehen“ (Der Schwarze Schwan; Konsequenzen aus der Krise; Seite 88).

„Die Zentralbanken unterliegen einer Kontroll-Illusion – die Inflation kann uns um die Ohren fliegen“

Mit anderen Worten: Es besteht die Gefahr eines galoppierenden Preisanstiegs wie in Deutschland 1923! Geldwert-Veränderungen sind praktisch unbeherrschbar, weil sie nicht nur von der Geldmenge abhängen, sondern z.B. auch von psychologischen Faktoren wie den Inflationserwartungen (Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht, DVA 2012, Seite 202). Neben Krall, Taleb und Sarrazin ist auch Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, dieser Meinung. Im Gespräch mit Roland Tichy gab er am 06.10.19 zum Inflationsziel der EZB von knapp unter zwei Prozent zu bedenken:

„Die gehen davon aus, dass sie die Inflation präzise steuern können. Aber ich glaube, die Zentralbanken unterliegen da einer Kontroll-Illusion. Sie haben in den letzten zehn Jahren nicht geschafft, diese Inflation an ihr Ziel zu bringen. Sie war immer darunter – sie können das Ding nicht kontrollieren! Und ich denke, da sie keine Kontrolle über die Inflation haben, wird die einmal umschwenken und steigen! Und dann stellt sich die Gretchenfrage: Können die Zentralbanken dann das Gegenteil machen? Statt die Zinsen zu senken und immer mehr Staatsanleihen zu kaufen, können Sie dann die Zinsen erhöhen? Nein, das können sie nicht, sonst würden die Schuldentürme umfallen, die Immobilien- und Aktienmärkte würden einbrechen. Die Zentralbanken sind inzwischen Gefangene ihrer eigenen Politik!“ (Unser Geld: Jetzt kommt die Schuldenmacherei, 16:05).

Wie und wann ein extremer Anstieg der Preise ausgelöst wird, ist laut Mayer unklar: „Das sind so Ereignisse, die kann man nicht präzise prognostizieren. Man braucht einen wachen Sinn dafür, was es sein könnte. Man schaut, was passiert jetzt, springt der Funke über oder nicht? Das ist wie wenn Sie tanken und Sie zünden sich dabei eine Zigarette an. Das kann ja gut gehen – oder der ganze Tank kann Ihnen um die Ohren fliegen“ (26:43). Ganz ähnlich schätzt Markus Krall die Lage ein: Er erwartet eine Inflation von 50 Prozent – pro Monat! (Krall am 18.10.2019 in Bautzen, 51:46).

Der Staat kann das Risiko nicht abschaffen, nur unter den Teppich kehren

In seinem Buch: »Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen« (FBV 2019) knüpft Markus Krall an die Warnungen Nassim Nicholas Talebs vor der Blindheit des modernen Menschen gegenüber Mega-Katastrophen an. Diese werden als Schwarze Schwäne bezeichnet. Nach Kralls Ansicht ist es ein Irrglaube, die Wechselfälle des Lebens (die er Diskontinuitäten nennt) durch staatliche Maßnahmen wie den Wohlfahrtsstaat dauerhaft glätten oder gar verhindern zu können. Das gleiche gelte im Großen für die Geldpolitik und die Eurorettung. Der Staat könne die Risiken lediglich in die Zukunft verschieben, was sie allerdings umso größer, gefährlicher und häufiger werden lasse.

Kein Wunder also, dass er auf Seite 15 auf die Gefahr eines mehrfachen Zusammenbruchs hinweist: „Weil wir so viele unterschiedliche Arten der Volatilität über so viele Jahrzehnte unterdrückt haben, entsteht das Risiko der Korrelation, also die Möglichkeit, dass mehrere große Ungleichgewichte ihren Bruchpunkt gleichzeitig erreichen. Dies kann zufällig entstehen oder durch gegenseitige kausale Verstärkung. Eine große Diskontinuität löst die nächste aus. Eine Kettenreaktion kommt in Gang, mit der die Gesellschaft nicht mehr umgehen kann“.

Der liberal-konservative Volkswirt listet im Buch (und bei Vorträgen) Beispiele für Ungleichgewichte auf, die das Potenzial haben einen Domino-Effekt auszulösen: Der »Untergang der traditionellen Familie«, die Überalterung, das Missmanagement in der Quasi-Planwirtschaft, die Energiewende, die Klima-Hysterie, die Politik der offenen Grenzen, der Niedergang des Rechtssystems, die Zensur, der Neo-Feudalismus, Sicherheitsprobleme durch die extreme Rechenleistung von Quanten-Computern sowie die mangelnde Verteidigungsfähigkeit und -bereitschaft Europas zum Beispiel gegen das Großmachtstreben des türkischen Staatschefs Erdogan. Zitat: „Der umfassende bewaffnete und potenziell nukleare Konflikt zwischen Europa und dem Islam, der von einer wiedererstarkten Türkei angeführt werden wird, die im Tandem mit der internationalen Muslimbruderschaft agiert“ (Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen, S. 5-7, 27).

Die EZB transferiert Geld und Wohlstand von Nordeuropa nach Südeuropa

Krall hat einen ähnlich weiten Blick wie der amerikanische Philosoph Taleb und knüpft an dessen Warnungen vor dem Schwarzen Schwan an: „Wir sind gerade jetzt, wo diese vermehrt auftreten werden, nicht gut darin, mit Ereignissen nach dem Muster »schwarzer Schwäne« umzugehen. Die Seltenheit des schwarzen Schwans wird abgelöst von seiner Allgegenwart. Der schwarze Schwan bekommt Junge.“ (Seite 24). Die Europäische Zentralbank, schreibt Krall auf den Seiten 48 ff, zehre noch vom guten Ruf der Bundesbank, in Wahrheit aber habe sie vor allem das Wohl der Euro-Südstaaten im Sinn:

„Der EZB-Rat, obwohl mit dem Anspruch ausgestattet, in der Tradition der Deutschen Bundesbank zu handeln, ist in Wahrheit weder unabhängig, noch hat er eine Stabilitätskultur. Er ist ganz im Gegenteil der Spielplatz nationaler Eigenoptimierung. Allein schon der Umstand, dass jedes Land einen Vertreter in diesem Rat hat, macht eines deutlich: Diese Männer und Frauen sind keine Versammlung »alter weiser Männer«‚ sie sind die Repräsentanten ihrer Heimatländer und damit auch ihrer nationalen Interessen. (…) In Wahrheit wurde die EZB und ihre Fähigkeit, Geld zu drucken, von einer Stimmenmehrheit im Rat gekidnappt. Diese Stimmenmehrheit steht aber nur für eine Minderheit der Kapitalanteile und der Haftungsmasse der teilnehmenden Länder. Diese Fraktion hat wissentlich und willentlich die EZB umgebaut in ein Vehikel zum Transfer von Geld und Wohlstand von Nordeuropa nach Südeuropa. Gleichzeitig wurden Risiken vom Süden nach Norden übertragen, der nach dem Zusammenbruch dieses Pyramidenschemas [Schneeballsystem] mit einer unbezahlbaren Rechnung sitzen gelassen werden wird. Da die Märkte sehr wohl verstanden hatten, dass der ESM in keiner Weise ausreichend sein würde, ein Land wie Italien oder gar Frankreich zu retten, testeten sie in den Jahren 2011/2012 die Stabilität der Eurozone aufs Neue. Das führte dann zu Mario Draghis berühmten Spruch, die EZB werde tun »was immer nötig sei«, um den Euro zu retten. Diese Politik wurde auch umgesetzt“.

(»Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen«, Seite 49)

Der ehemalige Berliner Finanzsenator und Bundesbanker Thilo Sarrazin hatte bereits 2012 in seinem Buch Europa braucht den Euro nicht die militärische Wortwahl vieler Ökonomen wie »Dicke Bertha«, »Feuerkraft«, »Brandmauer« oder »Bazooka« kritisiert. Dahinter stehe die Vorstellung, der Euro müsse mit allen Mitteln und mit beeindruckenden Rettungsschirmen gegen böse Spekulanten verteidigt werden. Sarrazin wörtlich: „Über all diesen Sorgen gerät leicht der Kern der Probleme in Vergessenheit: Gegen einen staatlichen Schuldner gibt es nur dann Misstrauensbekundungen der Märkte, die sich in steigenden Zinsen und Spekulationswellen äußern, wenn dieser seine Finanzen nicht im Griff hat. Dies ist aber immer ein Ausdruck politischen Versagens. Dagegen helfen weder Brandmauern noch Bazookas“ (Europa braucht den Euro nicht, DVA 2012, Seite 202).

Draghis Bazooka: EZB kaufte für 2200 Milliarden € Unternehmens- und Staatsanleihen auf

Laut dem »Neoliberalen« Krall hatte die EZB dann 2014 einen Vorwand zur Zündung von Draghis berühmt-berüchtigter »Bazooka« gesucht. Die Gelegenheit bot sich bei einer kurzzeitigen Fluktuation des Konsumenten-Preisindex, die kurzer Hand als Gefahr einer deflationären Abwärtsspirale aufgebauscht wurde. Kralls Kritik an diesem Willkürakt teilen übrigens auch die acht Ex-Notenbanker um Otmar Issing und Jürgen Stark (FAZ vom 04.10.19).

Die Fake News, schreibt Krall, habe der EZB-Präsident „zum Anlass genommen, durch großflächigen Ankauf von Anleihen am Markt das größte Programm ultralockerer Geldpolitik in der Geschichte der Menschheit loszutreten. Angeführt von Mario Draghi und assistiert vom keynesianisch orientierten Chef-Volkswirt der EZB, Peter Praet, kaufte die Zentralbank über 2,2 Billionen, also 2200 Milliarden Euro Staatsschulden, Unternehmensanleihen und verbriefte Schulden auf. Das blähte die EZB-Bilanz mit Vermögenswerten zweifelhafter Qualität auf das mehr als doppelte Volumen auf. Im Vergleich zum Volumen vor der Krise (2006) bedeutete das sogar eine Vervierfachung“ (Seite 50).

Rettung für die Zombie-Banken: Das Bargeld-Verbot

Die Zombiebanken können sich indessen Hoffnung auf einen Retter in der Not machen, der ihnen helfen könnte, ihre Geschäfte trotz der Null- und Minuszinsen auch langfristig weiterlaufen zu lassen. IT-und Kreditkartenfirmen aus den USA arbeiten nämlich mit Unterstützung der Bill-Gates-Stiftung, der amerikanischen Entwicklungshilfe-Behörde USAID und unzähliger anderer Organisationen darauf hin, weltweit das Bargeld abzuschaffen. Die Ziele sind unter anderem, bessere Gewinne zu machen und die Dominanz der USA bezüglich digitaler Dienstleistungen gegenüber der chinesischen Konkurrenz zu verteidigen.

Der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring berichtet in seinem Buch „Schönes Neues Geld“ über den „heimlichen Krieg der Schattenmächte gegen das Bargeld“, wie das dritte Kapitel seines 2018 erschienenen Buches überschrieben ist (siehe Youtube-Interview vom 15.10.18: Bargeldabschaffung: So weit ist es schon gekommen). Eine dieser Schattenmächte ist der Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Marktinfrastruktur (CPMI) bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Häring schreibt auf Seite 114:

„So hat der CPMI Ende 2016 wichtige Absprachen zur Beschleunigung der Bargeldbeseitigung getroffen, von denen kaum jemand Notiz genommen hat. Er hat einen Bericht abgesegnet, in dem die Mitgliedsnotenbanken ankündigen, sie wollten schnelle digitale Bezahlverfahren als Konkurrenz zum Bargeld fördern. (…) Unter den Vorteilen wird aufgeführt, dass die Zahlungsverkehrsdienstleister mehr Geschäft machen, wenn Bargeld verdrängt wird. Dass die Kunden das bezahlen müssen, bleibt unerwähnt. Es gibt in dem Bericht auch gar keinen passenden Platz für eine Erwähnung, denn man findet nur die Abschnitte »Vorteile für Nutzer« und »Übergreifende Vorteile von schnellen Bezahlverfahren. Die Abschnitte »Nachteile für Nutzer« und »Übergreifende Nachteile« sucht man vergebens.“

(Norbert Häring: Schönes Neues Geld; Seite 114)

Enteignung der Bankkunden leicht gemacht: Ohne Bargeld keine Flucht ins Bargeld

In der nächsten Zeile äußert der Handelsblatt-Redakteur den Verdacht, das Bargeld solle unter anderem deswegen abgeschafft werden, weil es ohne Bargeld nicht möglich ist ins Bargeld zu flüchten. Sollten sämtliche Zahlungen nur noch digital ablaufen, kann etwa im Falle eines Zusammenbruchs der europäischen Banken ein Bank Run von Sparern, die den Banken nicht mehr vertrauen, leichter vereitelt werden. Häring schreibt: „Entsprechend ist es für die Notenbanker in dem Gremium nur ein Vorteil, dass wir auf Gedeih und Verderb all unser Geld bei insolvenzgefährdeten Banken halten müssen, wenn es endlich kein Bargeld mehr gibt. Schließlich wird es dann leichter, im Zuge der »Gläubigerbeteiligung« unser von den Banken verwaltetes Geld zu enteignen, damit insolvente Banken wieder flüssig werden. Als weiterer Vorteil gewertet wird auch, dass jeder unserer Zahlungsvorgänge lückenlos überwacht und dauerhaft gespeichert werden kann, wenn es kein Bargeld mehr gibt.“ (Seite 114 f. und 130).

Gleich darauf kommt der promovierte Volkswirt auf die absolutistische Macht der EZB zu sprechen, die ebenso beabsichtigt, das Bargeld zurückzudrängen: „Die Parlamente sind dabei ganz außen vor. Für die Umsetzung solcher bargeldfeindlichen Verabredungen ist die politisch nicht kontrollierte Europäische Zentralbank ganz allein zuständig. Sie kann, wenn sie will, durch geeignete Gestaltung der Marktinfrastruktur dem Bargeld langsam den Garaus machen, ohne dass Volksvertreter etwas zu sagen hätten, ja ohne dass sie überhaupt verstehen, was passiert. Für sie und die Öffentlichkeit sieht es so aus, als würde die Bargeldnutzung von selbst immer weiter zurückgehen.“ (Norbert Häring: Schönes Neues Geld; Campus 2018, Seite 115).

Bargeldabschaffung hat bei Ländern begonnen, die sich nicht wehren können

Zum Zweck der Bargeldverdrängung hat ein Konglomerat von vorwiegend amerikanischen Unternehmen der Computer- und Finanzbranche in vielen Entwicklungsländern angefangen, neuartige bargeldlose Zahlungsmethoden einzuführen und sie mit zentralen biometrischen Datenbanken verbunden – jedem Beauftragten für Datenschutz müssten die Haare zu Berge stehen! In der Europäischen Union hat der Krieg gegen das Bargeld ebenfalls begonnen. Und auch hier fing man bei der Zurückdrängung von Geldscheinen und Münzen mit den schwächsten Ländern an. Häring schreibt auf Seite 123:

„In Griechenland, wo die Regierung nicht mehr viel zu sagen hat und eine Troika aus den bargeldfeindlichen Institutionen EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) praktisch durchregiert, geht es offen und drakonisch bargeldfeindlich zu. Dort muss, aufgrund der von der Troika diktierten Gesetze, inzwischen fast jeder Händler einen Vertrag mit Zahlkartenanbietern haben; die Arbeitnehmer bekommen eine Steuerstrafe aufgebrummt, wenn sie nicht genug von ihrem Lohn und Gehalt digital ausgeben. Bargeld, das zu Hause aufbewahrt wird, muss angemeldet und kann kontrolliert und konfisziert werden. Rechnungen über 500 Euro dürfen nicht mehr in bar beglichen werden. Es gibt eine ganze Batterie weiterer derartiger Maßnahmen gegen das Bargeld, regelmäßig begründet mit dem Kampf gegen Steuervermeidung. Gleichzeitig geschah und geschieht extrem wenig, um die bekannten großen Steuersünder zur Rechenschaft zu ziehen. Die sogenannte Lagarde-Liste der großen im Ausland versteckten Vermögen reicher Griechen wurde erst jahrelang in Schubladen versteckt und, nachdem sie von einem Journalisten veröffentlicht worden war, langsam dem Vergessen anheim gegeben“.

(Norbert Häring: Schönes Neues Geld; Seite 123f; auch als Hörbuch erhältlich)

Entmachtet die Europäische Zentralbank!

Die französische Politikerin und Juristin Christine Lagarde war bis vor kurzem IWF-Direktorin und wird Ende dieses Jahres Nachfolgerin von EZB-Präsident Mario Draghi – die Ausplünderung Deutschlands und anderer Nordländer wird also weitergehen. Die in keiner Weise demokratisch legitimierte Europäische Zentralbank und ihr Geldsozialismus gehört (ähnlich wie US-Notenbank) zu den größten Übeln unserer Zeit. Daher habe ich bereits 2012 in Anlehnung an ein Buch des zweimaligen US-Präsidentschaftskandidaten Ron Paul von 2010 die Entmachtung der Zentralbanken gefordert und für ein freies Marktgeld plädiert (neoliberal-egal.de/#Finanzkrise):

„Immer deutlicher wird, dass die anhaltende Schuldenkrise in den USA und in Europa eine Folge des Staatsgeldsystems der Zentralbanken ist. Diese versuchen mit immer neuen Geldmengenausweitungen (z.B. durch den Aufkauf von Staatsanleihen) die Volkswirtschaften anzukurbeln oder sie vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Erreicht werden damit nur kurzfristige Scheinbesserungen, während die Staatsverschuldung in schwindelerregende Höhen getrieben wird. Durch die Niedrigzinspolitik und das billige Geld entstehen neue Spekulationsblasen, die mit ihrem Platzen wieder neue Wirtschaftskrisen verursachen. Die Notenbanken gehören entmachtet! Wir sollten ihnen das Geld- bzw. Währungsmonopol und die Möglichkeit der Geldmengensteuerung weitgehend entziehen.

Die Geldmenge und der Zinssatz für die Staatsverschuldung müssen wieder den Gesetzen des Marktes unterworfen sein, in die unter anderem eine natürliche Schuldenbremse eingebaut ist, weil Staaten mit schlechter Bonität unter marktwirtschaftlichen Bedingungen hohe Zinsen bezahlen müssen. Ohne die von den Zentralbanken ermöglichte Geldschöpfung, die weitgehend abgekoppelt von entsprechenden Spareinlagen oder realen Werten geschieht, würden die Staaten zur Haushaltsdisziplin gezwungen!“ (siehe auch mein Buch: »Karriereleiter oder Hamsterrad? Manifest für eine bürgerliche Revolution – Wider den Wohlfahrtsstaat«, Norderstedt 2013, Seite 238).

Eine der EU-Richtlinien zur Abschaffung des Bargelds
Kreditkarten-Besitzer werden jetzt dazu genötigt Onlinebanking zu nutzen, wenn sie die Karte für Einkäufe im Internet einsetzen wollen. Gesehen an einem Geldautomat der Commerzbank Karlsruhe am 23.09.19. Eine von unzähligen EU-Richtlinien, die u.a. auf die Abschaffung des Bargelds abzielen (siehe Norbert Häring: Schönes Neues Geld; Campus 2018). Foto: Rettig
Banken pleite, Zombie-Unternehmen - die Bilanz der EZB ist katastrophal.
Bei dem Vortrag vor der AfD-Fraktion Schleswig-Holstein äußerte sich Dr. Markus Krall über Mario Draghis Spießgesellin Angela Merkel. Der libertäre Volkswirt sprach unter anderem auch beim Neuen Hambacher Fest 2018 sowie 2019. Foto: Screenshot

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Zur Zersetzung der Gesellschaft durch Wohlfahrtsstaat und Feminismus: Migration schafft Armut – eine libertäre Verelendungstheorie

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