Markus Krall: Der Crash als Chance für einen Neustart mit freier Marktwirtschaft

Markus Krall: Der Crash als Neubeginn
Der Bestseller von Markus Krall und ein Occupy-Lager vor der EZB in Frankfurt. An diesem Tag im Herbst 2011 gab es dort gleichzeitig (und ohne Konflikte) eine Demo von ca. 100 Gegnern der Euro-Rettung. Der libertäre Volkswirt erklärte am 20.09.19, warum der Euro (wie alle Währungsunionen) scheitert: „»Der Mensch denkt und Gott lenkt. Der Mensch dachte und Gott lachte«. So ist es auch hier: Die EZB dachte, die Realität lachte. Und wenn Sie sehen, was für ein Desaster da angerührt wird, und mit welcher Ignoranz man dieses Gift immer weiter verabreicht – es ist die planwirtschaftliche Hybris, der Machbarkeitswahn“ (6:57). Foto: Rettig

Nach Meinung des Banken-Experten Markus Krall krankt die Eurozone an sozialistischer Planwirtschaft. Beispiel Fachkräftemangel: Wenn es ihn gibt, dann ist auch die Europäische Zentralbank mit ihrer Nullzins-Politik schuld: „Die Zombie-Unternehmen binden Ressourcen, und zwar Kapital und Menschen. Eine riesige Vergeudung von Geld und Talent!“ Doch mit dem nahenden Crash werde der Spuk ein Ende nehmen. Wenn die Ertrags-Erosion der Banken (aufgrund des Nullzinses) mit der Pleite der untoten Firmen zusammenkommt, beginnt eine Abwärtsspirale: „Wir werden Massenarbeitslosigkeit sehen und eine Pleitewelle, die alles Dagewesene übersteigt!“ Hier die Rede des Ökonomen vom 24.08.19 als Video und Niederschrift:

Von Thomas Rettig

Am 12.09.19 hat die Europäische Zentralbank den Strafzins für Einlagen der Banken weiter verschärft: von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent. Hans-Walter Peters, Präsident des privaten Bankenverbandes, sagte noch am gleichen Tag im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Geldpolitik fassungslos macht. Ich frage mich, welche Perspektive die EZB für die Zukunft von Europa hat, aber mir fällt einfach keine Antwort ein.“

Der Experte für Banken-Risiko-Management Markus Krall (Der Draghi-Crash) fand am 22.09.2019 im Focus drastische Worte für die ultra-lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank: „Wir sehen einen Leopard-Panzer in verkehrter Richtung auf der Autobahn fahren, dessen Fahrer die ihm entgegenkommenden Autos (Banken) und Motorräder (Unternehmen) als unfähige Idioten beschimpft, die ihre Cost-Income-Ratio und ihre Digitalstrategie nicht im Griff haben. (…) Die hinter den Spiegel gedrückte negative Zinsstrukturkurve ist das eigentliche Problem der Banken. Sie erodiert die Ertragsbasis der Banken alleine in Deutschland mit 5 bis 10 Mrd. Euro pro Jahr, indem sie Sparmarge und Transformationsmarge abschafft und die Kreditmarge durch die Perversion marktwirtschaftlicher Steuerungsanreize nachhaltig zerstört.“ Hinzu komme, dass sich die Banken nicht schnell genug gesundschrumpfen können. Das verhindere das Arbeitsrecht und der Kündigungsschutz mit der Pflicht zur Zahlung von teilweise horrenden Abfindungen (Markus Krall in tichyseinblick.de am 13.09.19).

Dass die fetten Jahre demnächst vorbei sind, das prognostizieren auch andere Volkswirte, wie zum Beispiel Max Otte oder Marc Friedrich. Doch der »neoliberale« Ökonom Markus Krall wird seit rund zwei Jahren nicht müde vor der Weltwirtschaftskrise zu warnen, und er prophezeit den Beginn des Zusammenbruchs der europäischen Banken anhand ihrer Ertragslage ziemlich genau für das dritte Quartal 2020 (siehe auch: Bankenpleite, Konkurs der Zombiefirmen: Der Eurozone droht ein Dominoeffekt). Krall hält eine Rede nach der anderen und gibt jede Menge Interviews – überwiegend jedoch in den alternativen Medien.

Alice Weidel warnte im Bundestag vor dem Banken-Zusammenbruch

Harsche Kritik am Parforce-Ritt der EZB in Richtung Abgrund kam auch von Alice Weidel, die in ihrer Bundestagsrede vom 11. September 2019 die wichtigsten Faktoren des Niedergangs zusammengefasste. In den 12 Minuten griff die AfD-Fraktionsvorsitzende auch die Warnungen Kralls vor dem »Draghi-Crash« auf und brachte sie auf den Punkt: „Der Anteil der faulen Kredite in den Bilanzen europäischer Banken, die Summen, die im Feuer stehen, sind gigantisch. Das Kartenhaus der Zombie-Banken steht auf dem wackligen Boden der Negativzins-Politik der EZB. Und die zerstört unaufhaltsam das Geschäftsmodell der soliden Banken. Wir stehen vor einem gigantischen Banken-Crash! Wir werden bei gleichbleibender Entwicklung eine Staatsschulden- und Bankenkrise erleben, Hyperinflation und anschließende Währungsreform, bei der die Menschen alles verlieren werden!“ (6:40).

In seinem Buch »Der Draghi-Crash« (FBV 2017) hatte Krall auf Seite 29 die Arroganz der keynesianischen Ökonomen angeprangert, die hinter der Politik des leichten Geldes stehen. Deren Logik basiere auf Zirkelschlüssen und unrealistischen Annahmen. Die Keynesianer seien daher „blind und taub“ für die langfristig katastrophalen Folgen ihrer Empfehlungen: „Dieser beklagenswerte Zweig der wirtschaftsakademischen Sektenbildung dominiert und bestimmt das Handeln unserer Geldpolitik. Er hat aber auch seine Apologeten und Claqueure in den »wissenschaftlichen« Beiräten von Bundesregierung und EU-Kommission. Die Presse schreibt, dass die EZB mit ihrer Geldpolitik Neuland betrete, dass sie gewissermaßen ein geldpolitisches Experiment durchführe. Man wirft ihr vor, dass es schlecht sei zu experimentieren.“ (Markus Krall: Der Draghi-Crash, Seite 31 – siehe auch Charles Krüger über die drei großen Schulen Keynesianismus, Monetarismus und Libertarismus).

Die permanente Euro-Rettung ist ein Menschen-Experiment

Krall ist dagegen einer von den bösen »Neoliberalen«, ein Vertreter der libertären Österreichischen Schule um Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek. Dementsprechend kommt von ihm nicht eine verhaltene, sondern eine vernichtende Kritik an den keynesianischen Experimenten der EZB und an ihrer Politik des billigen Geldes: „Dieses Experiment wurde in der Vergangenheit von Zentralbanken und Staaten schon viele Dutzend Male durchgeführt, von Deutschland 1923 über Simbabwe und Argentinien bis Venezuela. Und jedes Mal endete es mit dem gleichen, bekannten Ergebnis: dem Kollaps der Geldordnung, einem nachfolgenden Währungsschnitt, einer Vernichtung der Ersparnisse, einer Umverteilung von unten nach oben, einer gesamtwirtschaftlichen Verwerfung, bei der nur die Reihenfolge von depressiver Deflation und Hyperinflation manchmal unklar war. Allenfalls würde man der EZB also Gerechtigkeit widerfahren lassen, wenn man vom größten geldpolitischen Experiment in der Geschichte spricht, denn im Maßstab eines Wirtschaftsraumes, der so groß ist wie die Eurozone, hat das bislang in der Tat noch keiner gewagt“ (Markus Krall: Der Draghi-Crash, Seite 31 f, auch als Hörbuch erhältlich).

Der Euro und der von der Europäischen Zentralbank erzwungene Minus-Zins sind sozialistische Menschenexperimente, die nach Ansicht von Krall einen Zusammenbruch von historischen Ausmaßen verursachen werden. Zu erwarten sei ein Domino-Effekt, ein multipler Kollaps (siehe Kralls Folgebuch von 2019: »Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen«). Die Geldpolitik der EZB habe die notwendige Entladung der Spannungen seit mindestens zehn Jahren hinausgezögert, so dass nun ein wirtschaftliches Jahrhundert-Beben ins Haus stehe: „Dieser Einsturz ist unvermeidlich. Die Menschen riechen ihn bereits förmlich. Investoren flüchten in vermeintlich sichere Sachwerte wie Immobilien und Aktien, ahnend, fürchtend, aber mangels Alternativen ignorierend, dass sie dabei in eine Blase einsteigen, deren Platzen ihre Ersparnisse ebenfalls ruinieren wird. (…) Alle suchen nach einer Strategie, die ihr Vermögen für die Zeit nach dem erwarteten Crash halbwegs intakt lässt. Eine bei der man wenigstens nicht alles verliert, sondern nur ein Drittel oder die Hälfte, bitte. Wenn so eine Einschätzung nicht mehr für Weltuntergangspropheten am Rande der Seriosität reserviert ist, sondern Mainstream, dann ist etwas faul im Staate Dänemark.“ (Markus Krall: Der Draghi-Crash, Seite 32).

Die EZB sitzt in der Zwickmühle

Die Europäische Zentralbank habe ihr Pulver weitgehend verschossen und sitze in der Zwickmühle, deutete Krall am 20.09.19 in einer Rede vor der AfD-Fraktion Schleswig-Hollstein an: „Die EZB kann die Zinsen nicht erhöhen. Wenn sie geglaubt hätte, sie erhöhen zu können, dann hätte sie das letztes Jahr gemacht. Aber sie hat es nicht gemacht, und zwar weil sie wusste, dass sie auf diesem Zombie-Berg sitzt. Das hat übrigens auch die Bank für internationalen Zahlungsausgleich bescheinigt: Letztes Jahr im Herbst hat die Zentralbank der Zentralbanken, die BIZ in Basel, eine Studie veröffentlicht, da steht mehr oder minder genau das Gleiche drin wie in meinem Buch ‚Der Draghi-Crash'“ (18:02)

Bei allem Schrecken macht der wirtschaftsliberale Volkswirt am Ende seiner Reden auch Hoffnung. Wie jede Krise biete der zu erwartende Zusammenbruch der Systeme die Chance für einen Neuanfang, den auch ich seit langem herbeisehne. Ich bete jeden Tag dafür, dass kein Bürgerkrieg ausbricht, dass die patriotischen Parteien in Europa das Ruder noch herumreißen können. Und vor allem, dass sich die Leute wieder auf die freie Marktwirtschaft zurückbesinnen und auf die dezentralen Solidarsysteme wie Ehe, Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft. Die haben den großen Vorteil, dass sie am allerbesten funktionieren, wenn der Staat pleite ist und sich auf seine ureigensten Aufgaben konzentriert! Das Kartenhaus sollte schnell zusammenbrechen, damit die Karten neu gemischt werden können.

Hier die Rede von Dr. Markus Krall in schriftlicher Form, die er am 24.08.19 in Berlin bei der »Vierten Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz« gehalten hatte, einem jährlichen Netzwerktreffen der Konservativen in Deutschland:

[0:37] „(…) Ich fang einfach mal mit einer Kurzvorstellung meiner Person an, und zwar mit den Spitznamen, die man mir so verpasst: Verschwörungstheoretiker kam schon, wobei ich sagen darf, ich glaube überhaupt nicht an Verschwörung, ich glaube an die Inkompetenz. An die Inkompetenz glaub ich aber so fest, dass manche Menschen sagen, das sei schon eine Verschwörung der Inkompetenz. [Gelächter und Applaus] Dann gibt es noch den Dr. Crash, den Dr. Doom, das sind so Spitznamen, die trägt man halb mit Stolz und halb beleidigt. Und jetzt hab ich den Auftrag, Ihnen die Apokalypse in 20 Minuten nahezubringen.

Es ist eigentlich relativ schnell und kurz erzählt, was unser Problem ist: Der Nullzins ist unser Problem. Doch bevor ich darauf eingehe und auf die Frage, warum die Ökonomie im Wechselspiel mit dem, was wir heute sonst gehört haben, so wichtig ist; warum die Ökonomie der Ausdruck des miserablen Geisteszustands unserer Gesellschaft ist. Dazu hab ich erst vor zwei Tagen in einem Buch von Ayn Rand folgendes Zitat gefunden. Das dauert eine ganze Minute es vorzulesen. Aber es wird Ihnen verdeutlichen, warum es so wichtig ist, dass wir uns mit der Wechselwirkung unseres sozial kranken Systems mit unserem ökonomisch kranken System auseinandersetzen:

Ayn Rand über die Dekadenz: Tiefer kann man nicht mehr sinken

„Bankrott bedeutet, am Ende seiner Mittel zu sein. Wie sehen die intellektuellen Werte oder Mittel aus, die uns die Wächter unserer heutigen Kultur anbieten? In der Philosophie wird uns beigebracht, dass der Verstand ohnmächtig sei, dass die Realität unerkennbar sei, dass Wissen eine Illusion und Vernunft Aberglaube sei. In der Psychologie wird uns gesagt, dass der Mensch ein hilfloser Automat sei, der von Kräften jenseits seiner Kontrolle gelenkt und von innerer Verkommenheit motiviert werde. In der Literatur wird uns eine Reihe von Mördern, Trunksüchtigen, Drogenabhängigen, Neurotikern und Psychotikern als Repräsentanten der menschlichen Seele gezeigt, und wir werden aufgefordert, uns mit ihnen zu identifizieren – zusammen mit den kämpferischen Behauptungen, dass das Leben eine Kloake oder ein sinnloses Wettrennen sei, mit gejammerten Befehlen, dass wir alles lieben müssen außer Tugend, und alles vergeben müssen außer Größe. In der Politik sagt man uns, dass Amerika (die großartigste, edelste und freieste Nation der Welt) der Sowjetunion (der blutigsten Diktatur in der Geschichte) politisch und moralisch unterlegen sei – und dass wir unseren Wohlstand an die Wilden in Afrika und Asien verschenken und uns für die Tatsache entschuldigen sollten, dass wir ihn produziert haben und nicht sie. Wenn wir uns die modernen Intellektuellen ansehen, sehen wir das groteske Schauspiel solcher Eigenschaften wie militante Ungewissheit, fanatischer Zynismus, dogmatischer Agnostizismus, prahlerische Selbsterniedrigung und selbstgerechte Verkommenheit in einer Atmosphäre aus Schuld, Panik, Verzweiflung, Langeweile und allgegenwärtigen Ausflüchten. Wenn das nicht bedeutet, am Ende seiner Mittel zu sein – tiefer kann man nicht mehr sinken.“

Ayn Rand: »Für den neuen Intellektuellen«, Wissenschaftler Verlag mises.at 2016, Seite 9

Der Nullzins: die größte Geistlosigkeit ökonomischer Scheinwissenschaft

Es ist der Geisteszustand unserer Gesellschaft, der unser ökonomisches Problem bewirkt. Und zwar deswegen, weil er sich in der Null-Zinspolitik ausdrückt – der größten Geistlosigkeit ökonomischer Scheinwissenschaft seit es die Ökonomie als Wissenschaft gibt. [Applaus]

Genug der sarkastischen Vorbemerkungen, jetzt schauen wir uns die Wirkungen an, die der Null-Zins hat bzw. der Negativzins. Es sind im Wesentlichen zwei Wirkungen, und beide wirken ins Bankensystem und in die Gesamtwirtschaft hinein. Das eine ist die Ertrags-Erosion der Banken. In dieser Nullzins-Welt können die Banken ihr Geschäftsmodell nicht mehr fahren und ihre Erträge sinken jedes Jahr. Sie verbergen das mit allerlei Bilanztricks: mit dem Auflösen von Reserven und Rückstellungen. Die Vielzahl der Bilanztricks, die man da zur Verfügung hat, um die letzte Ecke auszulecken, überrascht immer mal wieder selbst mich. Wenn wir zum Beispiel sehen, dass eine große Bankengruppe für 2018 Rekorderträge berichtet hat und alle gesagt haben: »Na ja, dann wird es ja nicht so schlimm sein«. Aber wenn man da anfängt mal reinzuleuchten, dann graust’s einen. Aber da ich mit meinem Research zu dem Thema noch nicht ganz durch bin, werde ich mich da heute noch zurückhalten.

Also die Ertragserosion der Banken ist das eine. Die Erträge fallen schneller als die Banken die Kosten zurückführen können: etwa mit zehn Prozent pro Jahr. Sie können sich vorstellen, dass Erträge und Kosten in ein Gleichgewicht gebracht werden müssen, damit ein Unternehmen nicht pleitegeht, das gilt auch für Banken. Wenn Banken mehr Kosten als Erträge haben, dann gehen sie pleite und können keine Kredite mehr vergeben.

Die Schöpferische Zerstörung findet nicht mehr statt

Und der zweite Effekt ist, dass der Nullzins Unternehmen am Leben erhält, die Pleite machen sollten! Dieses Aussortieren schlechter Unternehmen im Sinne der schöpferischen Zerstörung findet nicht mehr statt. Weil Unternehmen, die unproduktiv sind, die ineffizient sind, die Dinge produzieren, die keiner braucht, am Leben erhalten und subventioniert werden durch die Tatsache, dass sie keine Zinsen mehr zahlen müssen, die sie normalerweise zahlen müssten. Und jedes Jahr gehen weniger Unternehmen pleite als es in den Jahrzehnten zuvor der Fall war. Und an dieser Tendenz können wir auch abschätzen, wie viele dieser Unternehmen mittlerweile existieren und unseren Wirtschaftskreislauf als Inseln der Ineffizienz und Unproduktivität verseuchen.

Aber sie verseuchen nicht nur den Wirtschaftskreislauf, sie verseuchen auch die Portfolien der Banken – das sind nämlich alles Kreditnehmer. Wenn diese Pleiten irgendwann nachgeholt werden, dann werden die Banken Verluste erleiden. Sie sehen in dieser beginnenden Rezession, dass das schon allmählich stattfindet. Wir sehen jetzt die ersten größeren Pleiten, vor allem in den Industrien, die ihren Strukturwandel zehn bis fünfzehn Jahre in der Nullzins-Welt vor sich her geschoben haben.

Wenn diese beiden Dinge zusammentreffen: die Ertragserosion der Banken und die Pleite der Zombie-Unternehmen, dann wird das in eine Abwärtsspirale münden. Und zwar weil jedes pleitegehende Zombieunternehmen die Erträge der Banken weiter senkt, ihre Risiko-Kosten weiter erhöht und die Fähigkeit der Banken Kredite frisch zu vergeben einschränkt. Und es ist diese Einschränkung der Kreditvergabe (die wir bald sehen werden, sehr bald sehen werden!), die dazu führt, dass die Geldmenge anfangen wird zu schrumpfen und damit ein deflatorischer Prozess in Gange kommt, ein deflatorischer Schrumpfungsprozess: Unternehmen gehen pleite, die Banken verlieren den Kredit, die Banken verlieren Geld, ihr Eigenkapital sinkt.

Die Zombie-Firmen werden jetzt alle auf einmal pleitegehen

Die Zahl der Kredite, welche die Banken ausreichen können, die Menge der Kredite sinkt damit ebenfalls. Mit sinkenden Krediten gehen mehr Unternehmen pleite, weil sie keinen Kredit mehr bekommen. Und so kommt ein Teufelskreislauf in Gang, der darin münden wird, dass all diese Zombieunternehmen, die wir jetzt über zwölf Jahre akkumuliert haben, pleitegehen werden. Und wahrscheinlich auch einige, die normalerweise nicht pleitegegangen wären, aber in diesem Strudel, in diesem Strom der ökonomischen Krise, die wir jetzt so lange aufgespart haben, mitgerissen werden.

Das bedeutet, wir werden riesige Mengen an Arbeitslosigkeit sehen, wir werden ein Schrumpfen des Bruttosozialprodukts sehen, und zwar massiv! Wir werden eine Pleite-Welle sehen und wir werden eine Banken-Pleitewelle sehen, die alles übersteigt, von dem Sie je in der Wirtschaftsgeschichte gehört haben! Das ist meine feste Überzeugung.

Und dann schauen wir uns an, was wir sonst noch so haben an ökonomischen Sünden, die wir aufgespart haben. Ich kann ihnen jetzt schon sagen, das sind alles Themen, die Chefsache der Kanzlerin sind. Beispiel Digitalisierung: Anstatt der Netzversorgung haben wir das NetzDG bekommen (…) Die Digitalisierung ist Chefsache der Kanzlerin seit 13 Jahren – mit dem Ergebnis, dass wir auf allen Lead-Tables ganz weit unten sind.

Die untoten Betriebe binden Kapital und Fachkräfte

Venture-Kapital – das ist ein besonders interessantes Thema. Und zwar deswegen, weil die ganzen Zombieunternehmen, die schlecht wirtschaften und eigentlich pleitegehen sollten, die binden Ressourcen, und zwar Kapital und Menschen. Eine riesige Vergeudung von Geld und Talent findet dort statt, das nicht mehr anderweitig eingesetzt werden kann! Und zwar konkret: Wo wird es nicht eingesetzt: In der Gründung von neuen Unternehmen, von innovativen Unternehmen, von Ventures, von High-Tech-Unternehmen. Schauen Sie sich Israel an: Israel mit seien sieben Millionen Einwohnern bringt mehr Unternehmen an die New-Yorker Technologiebörse als die gesamte Europäische Union mit 500 Millionen Einwohnern! [Applaus]

Da muss man sich doch fragen: Woran liegt’s? Und das liegt natürlich daran, dass wir immer mehr Ressourcen in unsinnige Verwendungen steuern. Das findet nicht nur bei den Zombies statt, das findet natürlich auch bei den öffentlichen Ausgaben statt. Für welchen Gaga unsere Steuergelder aufgewendet werden, das weiß hier im Raum jeder, das muss ich nicht aufzählen. Aber es geht einem die Hutschnur hoch, wenn man sich das anschaut. Neulich hier in Berlin: 140.000 Euro für irgendwelche grünen Flecken auf der Straße, die nach zwei Tagen verwaschen waren. In der normalen Wirtschaft gibt es den Tatbestand der Untreue – ich glaube, wir sollten ihn in der Politik auch haben [Applaus].

Die Energiewende vergeudet Milliardenbeträge für nichts

Die Energiewende ist nach der Europäischen Zentralbank der zweitgrößte Zombie, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Sie vergeudet buchstäblich dreistellige Milliardenbeträge für nichts! Unterstellen wir einmal für den Moment, ich würde an den menschengemachten Klimawandel glauben – ein Gedankenexperiment. Und unterstellen wir, dass ich auch an das IPCC Klima-Modell glaube. Wie hoch sind dann die Einsparungen der deutschen CO2-Bilanz, die durch die Energiewende bewirkt worden sind zu Kosten von über 100 Milliarden? Und was ist denn der Netto-Gewinn dieser 100 Milliarden? Und dann rechnen wir jetzt mal in Stunden um, wie lange die Pol-Abschmelzung verzögert wird: Das sind 16 Stunden! Super. Dafür geben wir 100 Milliarden aus!

Auch sind wir damit beschäftigt die Grundlage der Marktwirtschaft zu untergraben, indem wir die Eigentumsrechte erodieren, wo wir nur können. Die Eigentumsrechte sind aber der Schlüssel einer Marktwirtschaft! Wenn es keine Eigentumsrechte gibt, auf die man sich verlassen kann, dann existiert keine Marktwirtschaft! Und den Leuten, die jetzt hier in Berlin der Enteignung das Wort reden, die sollten sich mal fragen, ob die gleichen Politiker, die für den Berliner Flughafen zuständig sind, jetzt für ihre Wohnungen zuständig sein sollen! [Applaus]

Zum Thema Immobilien gibt es einen schönen Text, der mir neulich bei Facebook untergekommen ist. Den möchte ich Ihnen ebenfalls vorlesen: „Es unterhalten sich zwei Personen über das Wesen von Eigentum: »Sie sind also Finanzbeamter. Und Ihr Job ist es, mich für das Recht zu besteuern, dass ich in meinem eigenen Haus leben darf, das ich gekauft habe. Ich dachte, das sei mein Eigentum!« »Nun, es ist Ihr Eigentum, aber Sie müssen etwas an uns bezahlen, um es nutzen zu dürfen. Wenn Sie etwas daran ändern wollen, dann brauchen Sie eine Genehmigung von uns. Und für die müssen Sie dann ebenfalls bezahlen. Dasselbe gilt, wenn Sie es verkaufen oder verschenken wollen. Wenn Sie es vermieten wollen, schreiben wir Ihnen vor, was Sie dafür nehmen dürfen. Und wenn wir es haben wollen, können wir kommen und es uns nehmen. Aber ansonsten ist es komplett Ihr Eigentum!«“ [Applaus]

Der Rechtsstaat und die Gewaltenteilung wurden ausgehebelt

Neben dem Eigentum gibt es eine zweite Grundvoraussetzung für eine funktionierende Marktwirtschaft, und das ist die Rechtsstaatlichkeit. Das ist natürlich den Linken ein Gräuel. Aber was wir in diesem Lande haben, ist eine Unterminierung der Rechtstaatlichkeit im Tandem mit einem Aushebeln der Gewaltenteilung. Daran ist nicht nur diese Regierung schuld, aber sie befördert es nach Kräften.

Nehmen Sie das Bundesverfassungsgericht, über das ich mal eine sehr hohe Meinung hatte. Dieses Bundesverfassungsgericht wird ja nach Parteien-Proporz ausgewählt. Und diese Proporz-Regelung hat uns eine Gewaltenteilung so lange vorgespiegelt, wie die beiden großen Parteien im Bundestag an zwei unterschiedlichen Enden des Seils gezogen haben: Die einen am rechten und die anderen am linken Ende. Und jetzt haben wir eine Situation, in der eine ganz große Koalition, in der fast alle Parteien sich um das linke Ende des Seils prügeln. Und dementsprechend sieht es auch aus! [14:24].

Wo der Proporz regiert, findet keine echte Gewaltenteilung mehr statt: Bei der vierten Gewalt (also bei den Medien, insbesondere den öffentlich-rechtlichen), aber auch in den Gerichten, im Bundesverfassungsgericht, in den Landesverfassungsgerichten. Stattdessen haben wir eine Exekutive, die sich zum Büttel von Brüssel erklärt hat, eine Legislative, die sich von der Exekutive alles vorkauen und vorverdauen lässt und nur noch abstempelt. Und eine Judikative, die der Exekutive nicht mehr in den Arm fällt. Rechtsstaatlichkeit braucht aber Gewaltenteilung, und die haben wir nicht! [Applaus]

Wer es nicht glaubt, dass wir keine Gewaltenteilung haben, er darf sich ausnahmsweise mal beim Europäischen Gerichtshof kundig machen, der Deutschland bescheinigte, dass es keine Gewaltenteilung hat. Und deswegen ist der europäische Haftbefehl in Deutschland nicht vollstreckbar. Also selbst in Brüssel kommt man manchmal noch auf interessante Ideen.

Der tägliche Schaden der Regierung Merkel liegt bei zwei Milliarden Euro!

Wenn man sich mal die Wirtschaftspolitik der Regierung anschaut, was alles an Maßnahmen mit volkswirtschaftlichen Schäden in den letzten 13 Jahren zusammengekommen ist: Da hab ich gerade vorhin das schöne Buch »Das Märchen vom reichen Land« vom Kollegen Daniel Stelter gesehen, der uns vorgerechnet hat, dass der tägliche Schaden der Regierung Merkel an unserer Volkswirtschaft (seit sie ins Amt gekommen ist), der tägliche Schaden zwei Milliarden Euro ist. Zwei Milliarden am Tag! Das können Sie da alles vorgerechnet bekommen in dem Buch. Kann ich jedem nur empfehlen, das mal zu lesen. Dann summieren Sie das mal auf: Wir reden hier über astronomische Beträge! Die Zukunft unseres Volkes und unseres Landes wird hier verspielt! (siehe auch: Markus Krall: Ist Deutschland noch zu retten? Minute 1:43)

Diese schlechte Politik kollidiert jetzt mit einem Kollaps unseres monetären Systems, und an diesem Kollaps arbeitet unsere Zentralbank ganz hart! Wir werden nach meiner Überzeugung Ende 2020 an den Punkt kommen, wo die Erträge der Banken so weit erodiert sein werden, dass es zu einer Kredit-Kontraktion kommt. Es ist denkbar, dass es auch schon früher passiert, und zwar dann, wenn die Börsen die Aktienkurse der Banken weiter so runter prügeln wie in den letzten 18 Monaten. Und zwar deshalb, weil diese fallenden Aktienkurse der Banken nicht mehr etwas mit der Bewertung zu tun haben, zu der Sie eine Bank kaufen können. Nehmen Sie eine Deutsche Bank: Die hat ein Eigenkapital von angeblich 63 Milliarden im Buch stehen und ist nur noch unter zwölf Milliarden wert! Wo sind die anderen 50 Milliarden denn hin?

Auf Depression und Deflation folgt eine Hyper-Inflation

Aber wenn der Aktienkurs der Deutschen Bank so weiter fällt wie bisher, und auch der der Commerzbank, dann werden dieser fallende Aktienkurs und die hohe Volatilität des Aktienkurses Signale geben an Rating-Verfahren, die international eingesetzt werden und den Börsenkurs benutzen, um die Pleite-Wahrscheinlichkeit einer Bank auszurechnen. Und wenn das passiert an bestimmten Grenzwerten, dann werden diese Banken sich an den Märkten nicht mehr normal refinanzieren können. Dann wird also wieder die EZB als Lender of Last Resort die Banken retten müssen. Und dann sind wir an dem Punkt, wo die Bankenrettung eintritt! Und zwar selbst dann, wenn das Eigenkapital im Buch eigentlich noch toll ist und sogar noch ein paar Erträge da sind! Weil die Refinanzierungskosten steigen. Und wenn gleichzeitig die Pleiten steigen, dann müssen all die internen Risiko-Systeme der Banken so rekalibriert werden, dass eigentlich mehr Kapital gebraucht wird, als sie haben.

Was wird dann passieren: Wir werden eine Rezession in drei Phasen sehen: Erst wird es zu einer Abwärtsspirale von Pleiten und Bankenpleiten kommen. Und das wird zu einer Kontraktion der Geldmenge und zu einer deflationären Depression führen, in der die Preise fallen. Übrigens auch die Preise all der Assets, die man mit dem Nullzins aufgeblasen hat: Immobilien, Aktien, Alternative Assets. Dann wird man voraussichtlich nach zwei bis drei Quartalen des Abstiegs in der Politik Panik auslösen – vielleicht auch früher. Und man wird mit Helikopter-Geld und allem, was man hat, versuchen das System zu retten – mit viel gedrucktem Geld.

Die Menge des Geldes, die man dafür aber braucht, wird so groß sein, dass die Deflation in eine massive Inflation umkippt. Und diese massive Inflation wird das Ende des Euros einläuten. Und zwar deswegen, weil er die Sparer nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa in kürzester Zeit so weit enteignet haben wird, dass das politische Kapital dieser fehlkonstruierten Währung am Ende ist.

Dieser Geisteszustand kann nur durch eine schwere Krise heilen

Und dann kommt wahrscheinlich mit der Neueinrichtung nationaler Währungen eine dritte Phase der Enteignung, denn diese nationalen Währungen müssen mit irgendetwas gedeckt sein. Und da man nichts mehr haben wird außer Schuldscheine, wird man wahrscheinlich die Immobilien auch noch zwangsverleihen. Womit ich am Ende meiner Ausführungen wäre und hoffentlich das Versprechen »20 Minuten Apokalypse« nicht zu hoch war.

Aber ich hab auch Hoffnung. Und zwar deswegen, weil der Geisteszustand unseres Landes der Art ist, dass dieses Fieber nur durch eine schwere Krise und Katharsis [Reinigung] geheilt werden kann. Und ich bin der Überzeugung, dass es an uns ist dafür zu sorgen, dass diese Krise in einer Katharsis mündet, die uns wieder die Tugenden von Marktwirtschaft, von Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und Demokratie erkennen lässt, und nicht den Marsch in den Sozialismus, den die anderen anstreben. Diesen Kampf müssen wir bestehen, und dazu ruf ich alle auf. Vielen Dank“.


Zum gleichen Thema mein Beitrag: Bankenpleite, Konkurs der Zombiefirmen: Der Eurozone droht ein Dominoeffekt und mein Kapitel liberalkonservative.de/#Zentralbanken

Siehe auch die Beiträge Arbeitsverweigerung als persönlicher Generalstreik und Migration schafft Armut – eine libertäre Verelendungstheorie

Tipp: Der Draghi-Crash ist auch als Hörbuch erhältlich

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