Die Zensur geht um – was ist zu tun?

Stoppt die Internet-Zensur!
„Gebt Gedankenfreiheit“, heißt es in Schillers ‚Don Karlos‘. Das Drama handelt vom spanischen Kronprinzen und dem Habsburger König Philipp II. (1527 bis 1598). Der Marquis von Posa appelliert an Vater und Sohn, das Königreich sowie seine Eroberungen (z.B. die Niederlande) von einem Gefängnis der katholischen Inquisition in einen Hort der Freiheit zu verwandeln. Screenshot: Don Carlos. Infant von Spanien; TV-Film D 1984.

Facebook hat am 06.07.19 meinen Account gelöscht. Ein Anlass, in diesem Kommentar auf weitere Fälle von Internet-Zensur hinzuweisen. Während die Filme immer brutaler und vulgärer werden, machen die Priester der Gutmenschen-Religion bezüglich der Diskurse im Internet auf sensibel. Doch Hate Speech und Hetze sind nur vorgeschobene Argumente. Indessen verhält es sich wie bei der Parole auf der Mauer, die zugepinselt wurde, jedoch immer noch zu sehen ist: Die Parole bekommt durch die Zensur umso mehr Gewicht! Infos zu Ausweichmöglichkeiten für Betroffene:

Von Thomas Rettig

Ich war seit 2010 phasenweise ein regelrechter Facebook-Aktivist mit schätzungsweise im Durchschnitt zehn Postings pro Tag – mehrfache Posts in verschiedenen Gruppen nicht mitgezählt. Vor der Internet-Zensur war das DIE Plattform, mit der man das Web potenzieren konnte. In Facebook aktiv zu sein war wie Zeitung lesen und Zeitung machen in einem. Man kann in den sozialen Medien Konsument und Entscheider darüber sein, was eine wichtige Information ist. Daher verbreiten sich bestimmte Nachrichten wie ein Lauffeuer, wie z.B. die vom 29.07.19: Ein Mann aus Eritrea (50 % Moslems) hat in Frankfurt einen 8-Jährigen und seine Mutter vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Die 40-jährige Frau konnte sich retten, das Kind ist tot.

Ohne Facebook und Co. hätte es der entsetzliche Anschlag nicht bis in die TV-Nachrichten geschafft. Er wäre als lokales Ereignis unter den Teppich gekehrt worden, wie zuvor in mehreren ähnlichen Fällen. Martin Sellner hat analysiert, was man in der Suchmaschine findet, wenn man die Begriffe „Täter gestoßen Bahnhof“ eingibt (Das war kein Einzelfall! Die lange Liste der Bahnhofskiller).

Was auf dem Spiel steht

Die Sozialen Medien ermöglichen außerdem eine zeitsparende, effiziente Information. So habe ich mir beim Teilen von Artikeln, Bildern und Videos angewöhnt, ein markantes Zitat aus dem Text oben anzustellen – zuweilen ergänzt durch eine kommentierende Überschrift. Auf diese Weise kommt die Nachricht rüber, ohne dass man den Artikel öffnen und lesen oder das Video anschauen muss.

Der Kommunikations-Wissenschaftler Norbert Bolz lobte am 15.06.19 bei einem Vortrag die sozialen Medien trotz der durchwachsenen Qualität in den höchsten Tönen: „Da wird wahnsinnig viel Schwachsinn produziert, jede Form von Paranoia wird unterstützt. Aber trotzdem: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten der Selbstorganisation derer, die mit diesem Mainstream nicht mitschwimmen wollen, die dann auch Rückkopplung und Feedback bekommen, und die vor allem Informationsquellen anzapfen können, die Sie anderswo überhaupt nicht finden. Ich persönlich könnte mir mein Bild von der Welt ohne bestimmte Portale der sozialen Medien überhaupt nicht mehr machen. Und ich bin immer wieder verblüfft, was man da lernen kann, wovon man in der Tagesschau, aber auch in den meisten Zeitungen gar nichts zu hören bekommt. (…) Wichtig ist die Möglichkeit der Selbstorganisation derjenigen, die sich bisher isoliert gefühlt haben – nach der berühmten Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann, die vorhin erwähnt wurde“ (siehe Beitrag in diesem Blog).

Doch so viel Freiheit ist mit dem von Macht und Übermacht träumenden linken Establishment nicht zu machen. Daher hat der Bundestag vor zwei Jahren trotz mangelnder Beschlussfähigkeit das Netzwerkdurchsetzungsgesetz erlassen, mit dem die Sozialen Medien nicht nur ermächtigt, sondern regelrecht gezwungen werden, Richter zu spielen und Zensurmaßnahmen vorzunehmen, die es bis vor ein paar Jahren nur auf Beschluss eines ordentlichen Gerichts gegeben hatte. Mit der Einführung der Internet-Zensur sind wir hinter die Aufklärung zurückgefallen. In Friedrich Schillers Drama ‚Don Karlos‘ (1787) heißt es: „Geben Sie Gedankenfreiheit! Sehen Sie sich um in Gottes herrlicher Natur. Auf Freiheit ist sie gegründet – und wie reich ist sie durch Freiheit!“

Norbert Bolz hat Recht, trotz meiner Verbannung aus der Facebook-Community fühle ich mich nicht isoliert wie noch vor 15 Jahren. Denn ich gehöre jetzt zusätzlich zu der rasant wachsenden Zahl von Leuten, die sich mit dem Problem der um sich greifenden Internet-Zensur konfrontiert sehen. Wie viele betroffen sind, ist schwer zu sagen. Die Betroffenen haben nach einer kompletten Sperrung ja nicht mehr die Möglichkeit, sich auf Facebook zu verständigen oder gar zu organisieren. Das kann übrigens ein Anlass sein in die AfD einzutreten, auch wenn es in der Partei menschelt wie überall.

Schlimme Fälle von Internet-Zensur – Alarmsignale!

  1. Der den Identitären nahestehende Rapper Chris Ares hat mit seinem Album am 30.07.19 Platz 1 der deutschen iTunes‐Charts erreicht und war bei Amazon auf Platz 2. Tags darauf löschte Apple ohne Begründung alle seine Songs von iTunes! (Video Martin Sellner 14:25). Nach hunderten Protest-Mails an Apple wurden die Musikstücke am 03.08.19 laut Ares wieder freigegeben (hier eines davon). Facebook versucht ebenfalls den Erfolg des patriotischen Hip-Hoppers zu konterkarieren. Vor wenigen Tagen wurden seine Accounts mit 60.000 und 46.000 Followern komplett stillgelegt (Chris Ares auf Instagram). Ende Oktober kommt seine neue CD auf den Markt.
  2. Von der Zensurwelle ist seit 14. Juli 2019 eine von drei Facebook-Seiten der Online-Zeitung Epoch Times betroffen. Ein Verstoß gegen Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Informations- und Meinungsfreiheit postuliert, und wo es heißt: „Eine Zensur findet nicht statt.“ George Orwell (1984) sagte es kurz und knapp: „Freiheit ist das Recht anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen“.
  3. Die Seiten der Identitären Bewegung in Facebook und Instagram mit hunderttausenden Followern sind bereits Ende Mai 2018 wegen angeblichen ‚organisierten Hasses‘ komplett den Zensoren zum Opfer gefallen, so dass die konsequent gewaltfreie Jugendbewegung von einem Großteil der sozialen Medien bis heute ausgeschlossen ist. Dagegen können dort Linksradikale weitgehend ungestört zu Gewalt gegen Andersdenkende oder gegen die Polizei aufrufen und Islamisten zum heiligen Krieg. Obendrein können Menschenhändler ihr Schlepper-Geschäft über geheime Facebook-Gruppen organisieren, wie aus einem Video von Epoch Times hervorgeht.
  4. Seit einiger Zeit nutze ich verstärkt die Kommentar-Funktion auf Youtube, wo aber ebenfalls zusehends mehr Anbietern ein Maulkorb verpasst wird. Immer mehr Youtubern wird die Monetarisierung gestrichen, damit sie keine Werbeeinnahmen mehr erzielen können. Sehr informativ das Interview des libertären Videobloggers Hyperion mit IB-Chef Martin Sellner am 30.08.19 über die Zensur auf Youtube, von der beide betroffen sind.
  5. Am 11.07.19 wurde der Youtube-Kanal von NuoVisoTV mit 170.000 Abonnenten gelöscht. Ein Frontalangriff auf die Pressefreiheit! In einem Video protestierten Youtuber und Journalisten aus den alternativen Medien gegen den Akt der Zensur und erklären ihre Solidarität. Das hat offensichtlich großen Eindruck gemacht, denn nach vier Tagen ist NuoVisoTV wieder freigeschaltet worden. Die Freischaltung nahm Youtube genau wie die Sperrung willkürlich und ohne Begründung vor.
  6. Immer öfter hört man, dass Video-Bloggern der Kanal ganz genommen wird, so zum Beispiel auch im Falle des islamkritischen Journalisten Tommy Robinson, der Mitte Juli dieses Jahres wegen seiner Berichterstattung über den Prozess um einen moslemischen Kinderschänderring noch dazu für sechs Monate ins Gefängnis musste (siehe Video-Bericht von Henryk Stöckl). Robinson kam auf eigenen Wunsch in ein Hochsicherheitsgefängnis und in Einzelhaft, weil er befürchten muss, von einem der vielen ‚friedliebenden‘ Muslime in den Haftanstalten Großbritanniens umgebracht zu werden. Tommy Robinson ist ein politischer Gefangener, er hat in den USA um Asyl für sich und seine Familie gebeten. – Das muss man sich geben: Jetzt müssen wir Einheimische aufgrund der Islamisierung Asyl in einem freien Land beantragen, weil wir politisch verfolgt werden! (Artikel vom Deutschland-Kurier). Mit Demokratie hat das alles nichts mehr zu tun.
  7. Bei dem, was man als erlaubt ansieht, wird gnadenlos mit zweierlei Maß gemessen. Ein Beispiel: Die Islamisten, die in Marokko im Dezember 2018 zwei nordeuropäischen Rucksack-Touristinnen bei laufender Kamera die Köpfe abgeschnitten hatten, sind am 18.07.19 von einem marokkanischen Gericht zum Tode verurteilt worden. Die Bild-Zeitung hatte damals das Video in einen Bericht eingebettet. Der Islamkritiker Michael Stürzenberger jedoch ist kürzlich zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, unter anderem weil er in einem Artikel Links zu Seiten mit dem Video gesetzt hatte. Dies hat ihm seine Richterin als ‚Gewaltdarstellung‘ angekreidet (pi-news.net vom 16. Juli 2019).

Seit dem Erfolg der AfD in Facebook stellt der Mainstream die Sozialen Medien als gefährlich hin

Noch vor wenigen Jahren war die Mainstream-Presse begeistert von Facebook, das entscheidend dazu beigetragen hatte, dass Barack Obama US-Präsident wurde. Auch der sogenannte Arabische Frühling (2010 bis 2012) wäre ohne die Sozialen Netzwerke kaum möglich gewesen. Doch als ab 2014 in Deutschland die außerparlamentarische Opposition (Pegida) und die AfD das potenzierte Internet der Sozialen Medien zu nutzen verstanden, drehte sich der Wind. Und nachdem Ende 2016 gegen alle bösartigen Kampagnen der linkslastigen Medienwelt Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, bekamen nicht nur in den USA die Facebook-Kritiker und die Zensoren die Oberhand. Auch deswegen, weil Trump bei fast 63 Millionen Followern nicht zuletzt mit seinen Tweets Erfolge bei der Aufdeckung des linken tiefen Staats verzeichnen kann (Epoch Times vom 04.08.19).

Inzwischen ist die Debatte um Hate Speech und Gewalt von einer kaum erträglichen Scheinheiligkeit geprägt. Denn einerseits werden die Kino- und Fernsehfilme immer brutaler und vulgärer, was die Alltagssprache zusehends runterzieht. Andererseits tut man so, als sei es selbstverständlich, an die Diskussionen in den Sozialen Medien weit höhere Maßstäbe anzulegen! Das zeugt vom undemokratischen, elitären Denken der Links-Intellektuellen. Über einen aggressiven Facebook-Kommentar können sich diese Wohlmeinenden mehr aufregen als über Vergewaltigung, Mord und Totschlag an den eigenen Leuten.

Hass ist nicht unbedingt eine Straftat, sondern nur z.B. im Falle eines Aufrufs zur Gewalt. Hass ist Teil des Menschseins und Teil unserer Kultur, zum Beispiel im Lied „Frieden“ von Georg Danzer (1981). Es gibt auch gerechten Zorn, worauf der AfD-Bundestagsabgeordnete Marc Jongen am 15.06.19 in einem Vortrag hingewiesen hat (siehe Beitrag). Bestes Beispiel ist der Zorn und der Hass der Indianer auf die weißen Invasoren, die ihnen ihr Land und ihre Heimat streitig machten und sie schließlich zu Fremden im eigenen Land degradierten. Im Falle der Ureinwohner Amerikas findet auch im Gutmenschentum selbst der gewaltsame Befreiungskampf vieler Indianerstämme volles Verständnis. Aber im Falle der Ureinwohner Deutschlands und Europas wird sogar der gewaltfreie und demokratische Widerstand von AfD, Pegida oder der Identitären Bewegung gegen die Politik der offenen Grenzen und die Islamisierung als „Rechtsextremismus“ verteufelt. Das ist Heuchelei hoch drei und entspringt einer krankhaften Selbstzerfleischung des weißen Mannes.

Die sogenannte „Hasskriminalität“ ist ein neuer Begriff, mit dem die freie Meinungsäußerung kriminalisiert werden soll. Dabei ist es psychologisch wichtig, kritische oder düstere Gedanken mitzuteilen, um aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen. Hassgefühle in der Öffentlichkeit zu äußern kann ein Ventil sein, das verhindert, dass sie in die Tat umgesetzt werden! Und sie werden ja auch geduldet, wenn es gegen die ‚Rechten‘ geht. In Wahrheit geht es den herrschenden Kultur-Marxisten daher nicht um die Netikette. Nein, es sollen Bürger mundtot gemacht werden, die sich nicht zu den Links-Grünen zählen und nicht bereit sind mit den Wölfen zu heulen.

Die Blockflöten-Parteien vergießen Krokodils-Tränen über Hate Speech und Morddrohungen, bei denen es sich locker auch um False-Flag-Aktionen handeln kann, um die Stimmung anzuheizen. Obwohl kaum zu überhören ist, dass der Ton überall aggressiv und verleumderisch geworden ist – insbesondere bei den Gutmenschen und nicht zuletzt bei den sogenannten Qualitätsmedien. Wenn es gegen die AfD geht, gibt es schier kein Halten mehr! Am 28.07.19 veröffentlichte das Compact-Magazin ein Interview mit Marie-Thérèse Kaiser. Die junge Frau hat vor einem Jahr auf der großen AfD-Demonstration in Berlin eine Rede gehalten und musste deshalb kürzlich einen brutalen Shitstorm auf Instagram über sich ergehen lassen. Sie hat viele der Vergewaltigungs- und Morddrohungen zur Anzeige gebracht, doch alle Verfahren sind im Sande verlaufen! Wir haben mittlerweile eine Zwei-Klassen-Justiz, und das ist des Pudels Kern.

AfD-Mitglieder sind immer öfter sogar Gewalt-Attacken durch die sogenannte Antifa ausgesetzt, die wiederum vom politisch-medialen Komplex geduldet und indirekt sogar finanziert wird! Gerade erst am vergangenen Samstag gab es einen Brandanschlag auf einen jungen AfD-Politiker und seine Freundin, der in den linksdominierten Massenmedien aber keinen nennenswerten Widerhall fand (Bild.de vom 28.07.19).

In den Mainstream-Medien läuft seit Jahren eine regelrechte Kampagne gegen die Sozialen Netzwerke. Die AfD-Politikerin Joana Cotar erklärte am 16. Mai 2019 in einer Bundestagsrede, was die Herrschenden dabei wirklich umtreibt: „Das Internet hat die öffentliche Debatte demokratisiert. Die Netzgemeinde bestimmt, über was diskutiert wird, keine Gatekeeper in Rundfunkräten, Redaktionen oder Regierungsbüros. Und genau das ist mehr und mehr Staaten ein Dorn im Auge. Die Politik muss zusehen, wie sich die Diskussion und die Meinungsbildung ins Netz verlagern und wie sie die Deutungshoheit verliert, jeden Tag ein Stück mehr. Das macht Angst.“

Grassierende Zensur, zunehmende Repression: Wie geht es weiter?

Langfristig kann die Internet-Zensur dem Widerstand aber nichts anhaben, sie kann ihn sogar verstärken! Wie bei dem Spruch auf der Mauer, der zugepinselt wurde, aber immer noch zu sehen ist. Die Message bekommt durch die Zensur umso mehr Gewicht! Dieses Bild stammt meines Wissens aus einem Gedicht von Berthold Brecht, das ich aber nicht gefunden habe.

Die Facebook-Zensur hat darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil. Sie zwingt uns auf alternative Plattformen auszuweichen, was die Chance bietet wieder ganz andere Gruppen zu erreichen. Wie Wasser, das sich einen anderen Weg sucht. Wir werden uns durch die Repression nicht zum Schweigen bringen lassen! So wie die Christenheit in den ersten Jahrhunderten durch römische Kaiser verfolgt wurde und daraus gestärkt hervorgegangen ist – ohne einen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen.

Es gibt bekannte Alternativen zu Facebook, auf denen ich jetzt umso aktiver bin. So poste ich mittlerweile regelmäßig auf Instagram und Twitter, wo die sich die Zensur bislang noch in Grenzen hält. Allerdings gibt es bei den großen Sozialen Netzwerken zusätzlich eine subtile Form der Internet-Zensur, genannt Shadowban. David Berger von Philosophia Perennis musste feststellen, dass sein Blog vom Shadowban bei Twitter und bei Facebook runtergedrückt wurde.

Bei Instagram ist das Teilen am Handy nicht möglich, weil die Verbreitung der Fotos und Nachrichten zum großen Teil über Hashtags erfolgt. Seit ich das vor ein paar Monaten so richtig realisierte, verwende ich vermehrt die Schlagwörter mit dem Doppelkreuz (#). Ohne Verwendung von Hashtags kann ein Post nur von den eigenen Followern gesehen und mit einem roten Herzen versehen werden. Wer mit dem Handy surft, kann aber Screenshots von Postings machen und sie problemlos zuschneiden, um sie weiter zu verbreiten.

Zusehends mehr Oppositionelle weichen auf vk.com aus, wo weit weniger häufig zensiert wird. Bei der russischen Konkurrenz-Plattform von Facebook bin ich seit Anfang 2016 Mitglied. Anfangs war dort kaum etwas los, doch jetzt kann man da viele andere Vogelfreie aus Deutschland und Österreich treffen, die ebenfalls in Facebook kein Zuhause mehr haben oder keine Zukunft mehr sehen, auch jede Menge Wirtschaftsliberale.

Auch sonst tauchen jetzt immer öfter Alternativen zu den großen Sozialen Netzwerken auf, zum Beispiel bitchute.com statt Youtube. Seit einigen Monaten setzen viele alternative Medien auf die Medien-Plattform Telegram. Laut Wikipedia wurde die Firma „2013 von den Brüdern Nikolai und Pawel Durow gegründet, die bereits das meistgenutzte russische soziale Netzwerk vk.com“ ins Leben gerufen hatten. IBÖ-Chef Sellner erklärte jüngst in einem Tutorial wie Anbieter ihren Telegram-Kanal interaktiv machen können. Vier Tage später gab es ein weiteres Tutorial zur besseren Vernetzung über die Funktion Kontakte/Leute in der Nähe.

Seit 22.07.19 ist außerdem die von Hagen Grell programmierte zensurfreie Social-Media-Plattform frei3.de online. Kurz darauf startete die Online-Plattform Prometheus des Videobloggers Timm Kellner (pro-de.tv). Erwähnt sei darüber hinaus das neue Netzwerk bzw. Magazin ‚1984‘ des Youtubers Oliver Flesch (19vierundachtzig.com).

Um die Zensurmaßnahmen zu kompensieren hilft nicht zuletzt ein Rückgriff auf das klassische Internet. Wir müssen wieder verstärkt auf Techniken zurückgreifen, die man zwischenzeitlich als veraltet angesehen hat, wie z.B. Diskussionsforen, E-Mail, die gegenseitige Verlinkung von Webseiten und Suchmaschinen-Optimierung (SEO). Die umsichgreifende Internet-Zensur ist ein Grund dafür, dass wir diesen Blog Glückes Unterpfand ins Leben gerufen haben, wo man als Gastautor schreiben, kommentieren, einen Newsletter bestellen und nach Stichwörtern suchen kann.

Von wegen Filter-Blase! Es herrscht die Arroganz der Macht.

Zuletzt hatte ich um die 1380 Facebook-Freunde, deren Profil ich mir vor dem Adden angesehen habe, um keine Rechtsradikalen in meine Freundesliste aufzunehmen. Nach rechts grenze ich mich also ab, aber natürlich nicht nach links! So halten es fast alle Liberalen und Konservativen, weswegen von einer Filterblase bei uns ‚Rechtspopulisten‘ nicht die Rede sein kann. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass man einen Shitstorm erntet, wenn man die Deutungshoheit der Linken infragestellt und in ihre Kreise vordringt. Solche Bösartigkeit ist bei den Rechten weit weniger verbreitet. Wenn es also eine Filterblase gibt, dann bei den Linken! Die AfD wäre schön dumm, wenn sie nicht zur Mitte hin offen wäre. Doch falsch – eigentlich muss man es anders sagen: Die AfD liegt in der Mitte, und die etablierten Parteien sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nach links gedriftet.

Die Willkür meiner Facebook-Sperre erinnert mich an den 25. November 2009, als Google das Adsense-Konto meiner Link-Datenbank ka-links.de wegen „ungültiger Klickaktivitäten“ deaktiviert hatte. Damit entfiel ein Zusatzverdienst von durchschnittlich 700 Euro pro Monat durch die Einbindung von Adwords-Bannern. Ähnlich wie Facebook legte Google damals das typische Verhalten eines Quasi-Monopolisten an den Tag: die pure Arroganz der Macht. Es war schon unverschämt, mir nach fünf Jahren gedeihlicher Zusammenarbeit Klickbetrug vorzuwerfen. Darüber hinaus hatte ich keinen Ansprechpartner, es gab lediglich ein Feedback-Formular mit dem man Einspruch einlegen konnte. Eine Woche später hat Google mit einer weiteren Standard-Mail den Einspruch abgelehnt – nähere Angaben wurden nicht gemacht. Monate danach musste ich meine Verdienstbescheinigung 2009 (für die Steuererklärung) mit zwei Geschäftsbriefen (den zweiten per Einschreiben) umständlich anfordern, weil ich auf Grund der Kontosperrung übers Web an die Bescheinigung nicht rankam. Ernst genommen hat mich der Konzern meist nur insoweit, als ich von 2003 bis 2009 auch zahlender Adwords-Kunde war (heute Ads). Ansonsten ist man für diese Leute nur eine Nummer.

Möglicherweise waren gar nicht typische AfD-Positionen der auslösende Faktor für meine Facebook-Verbannung. Ich hatte in den vergangenen Monaten mehrmals Passagen aus dem Buch ‚Schönes neues Geld‘ von Norbert Häring gepostet, das auch als Hörbuch erhältlich ist (Campus 2018). Es handelt davon, dass amerikanische IT-und Kreditkartenfirmen sich in der ‚Besser-als-Bargeld-Allianz‘ zusammengeschlossen haben, um weltweit das Bargeld abzuschaffen, damit sie bessere Geschäfte machen können.

Zu diesem Zweck hat die Hochfinanz mit Zuckerbrot und Peitsche bereits in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern neuartige bargeldlose Zahlungsmethoden eingeführt und sie mit zentralen biometrischen Datenbanken verbunden. Dabei wird so getan, als sei die Bargeld-Abschaffung ein Baustein für die „finanzielle Inklusion“ der Armen in der Welt, weswegen die US-Regierung unter anderem mit dem Entwicklungshilfe-Ministerium (USAID) dabei ist. In Wirklichkeit geht es um amerikanische Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen, um Big Data statt Bargeld. In Europa hat die Abschaffung des Bargeldes ebenfalls schon begonnen (siehe auch: Warum eine bargeldlose Welt alles andere als erstrebenswert ist).

Nun ist es so, dass der 2004 von Mark Zuckerberg gegründete Konzern bei der Bargeldabschaffung neuerdings mitmischen will: „Facebook will die Welt mit einer eigenen Kryptowährung verbessern“, schreibt der Focus in einem ausführlichen Beitrag vom 19.06.19: „Facebook schafft neue Weltwährung: Werden wir bald alle in Libra zahlen?“. Vielleicht suchte der Internet-Konzern nur einen Vorwand, um einen Kritiker der Bargeld-Zurückdrängung loszuwerden.

Udo Lindenberg hatte 1976 eine wahrhaft prophetische Sicht auf die Dekadenz und Korruptheit der heutigen Gesellschaft. In dem Song Gene Galaxo geht es um einen Superstar mit politischer Message, der sich als unbestechlich herausstellt und daher erschossen wird. Dann lässt die Regierung aus der Retorte einen neuen Superstar schaffen: „Gene Galaxo, der Mutant aus der Serie X5A war bald der neue Über-Superstar. Unschlagbar in der Musik, nicht interessiert an Systemkritik, der Präsident hat ihn persönlich programmiert! Er hat das Aussehen, das die Leute gut finden heute, er bringt die Show, die sie total fasziniert: ‚Leute, die Welt ist prima! Schön ist es auf der Welt! Lala lalala lala die uns so gut gefällt! Früher gab’s ein Wort, das hieß Problem, das strichen wir aus dem Vokabular. Heute ist das Leben ja so angenehm, nicht wahr, ja ja, nicht wahr?'“


Passend zum Thema: Meine Facebook-Sperrung und die Tragweite

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