Gestresste Männer in der Frauengesellschaft

Uhren und Kalender für gestresste Männer
Uhren und Kalender sind Instrumente der Leistungsgesellschaft. Der Erwartungsdruck lastet aber nicht auf allen gleich. Die Geschlechtsrollen sind so tief in uns verwurzelt, dass sich nicht nur der Einzelne, sondern auch sein gesamtes Umfeld anders verhält – je nachdem, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Foto: Rettig

Die Sklaverei wurde abgeschafft, doch nun kommt sie durch den Rückfall in die frauenzentrierte Gesellschaft wieder zurück. Im Gegensatz zur Antike sind es heute die angeblich freien Männer, die in die Rolle des Arbeitssklaven gedrängt werden. Für den Arbeitsmarkt, für den Heiratsmarkt und sogar für die Politik gilt: Von den Männern wird wesentlich mehr Leistung (im Sinne von Arbeit pro Zeiteinheit) erwartet als von den Frauen. Das Problem: Gestresste Männer werden zunehmend aggressiv und kriminell. Gibt es zu viele davon, sind sie der Sprengsatz der Gesellschaft.

Von Thomas Rettig

Der Tag hat zwar für alle die gleichen 24 Stunden, doch der Seelenfrieden eines Menschen hängt maßgeblich davon ab, wie viel Arbeitseinsatz und effektiver Output von ihm pro Tag und pro Woche erwartet wird. Die Erwartungen sind höchst unterschiedlich, je nachdem, ob man zum Beispiel ein Vertreter des bösen „Tätervolks“ ist oder einer der armen afrikanischen oder arabischen „Geflüchteten“, die Opferstatus genießen. Die markanteste Trennlinie zwischen Stress und Beschaulichkeit verläuft allerdings entlang der Rollen von Mann und Frau. Die Polarität der Geschlechterrollen ist ein weltweites Phänomen, und dennoch wird sie vom linken und grünen Mainstream heutzutage verwischt und weitgehend geleugnet. In Wahrheit ist sie präsent wie nie, trotz Feminismus und Gender-Gaga.

Die weibliche bzw. männliche Geschlechtsrolle ist so tief in der Psyche jedes Menschen eingegraben, dass nicht nur der Einzelne, sondern auch sein gesamtes Umfeld völlig anders denkt und handelt, je nachdem, ob es eine Frau oder ein Mann ist. Naturgemäß ist diese Dichotomie am stärksten bei Leuten im heiratsfähigen Alter. Die Propaganda des politisch-medialen Komplexes in Richtung Feminismus hat die Rollen von Mann und Frau keineswegs nivelliert, auch nicht der Umbau von Wirtschaft und Sozialpolitik im Sinne der ‚Vereinbarkeit von Familie und Beruf‚; auch nicht die stark gestiegene Berufsbeteiligung der Frauen.

Entgegen des gängigen Narrativs sind wir Männer nicht zu beneiden, denn die Geschlechtsrollen-Polarität verlangt, dass wir uns die Liebe der Frauen erkaufen müssen. Beide Geschlechter (und die ganze Gesellschaft) erwarten, dass die Frau einem Mann das Ja-Wort gibt, der (auf Dauer) ein höheres Einkommen hat als sie selbst. Die wenigen Ausnahmen kann man an einer Hand abzählen, sie bestätigen die Regel.

Der Mann muss sich seinen Status, seine Stellung innerhalb der gesellschaftlichen Hierarchie erarbeiten. Im Unterschied zur Frau kann er in höchste Höhen vordringen. Wenn er jedoch nur ungenügende Leistungen erbringt, kann er umso tiefer fallen – insbesondere weil er dann mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Familie entlassen wird. Bei den Frauen dominiert hingegen die Statuszuweisung durch Zuschreibung. Das heißt, sie haben geringere Chancen, sich durch berufliche Erfolge aus der sozialen Schicht, in die sie geboren wurden, empor zu arbeiten. Dafür werden sie aber auch kaum mit Prestigeverlust bestraft, wenn sie keine Karriere machen wollen. Nur selten fallen sie ins Bodenlose. Neben der sozialen Herkunft wird die Stellung der Frau in der Gesellschaft vor allem durch ihre äußerliche Erscheinung und ihren persönlichen Charme bestimmt sowie durch den Status ihres Ehemannes (siehe derdressiertemann.de).

Dies alles hat zur Folge, dass von den Männern wesentlich mehr Leistung erwartet wird als von den Frauen. Leistung ist sowohl in der Physik, als auch in der Gesellschaft die Menge an Arbeit, die man in einer bestimmten Zeit schaffen kann. Wenn man als Mann nicht auf Frau, Kinder, Familienleben und gesellschaftliche Anerkennung verzichten möchte, dann bleibt einem gerade im Wohlfahrtsstaat oft nichts anderes übrig, als sich vollständig auf den beruflichen Erfolg zu konzentrieren (Beamte ausgenommen). Da helfen auch kein Zeitmanagement und keine Rationalisierungsmaßnahmen, denn die Begehrlichkeiten halten mühelos mit, wenn die ’starken Schultern‘ ihre Produktivität erhöhen.

Man sollte es nicht für möglich halten, doch eigentlich haben Männer neben dem Beruf auch andere Interessen! Oft haben sie eine philosophische Ader und diskutieren gerne – wie damals in der Polis im antiken Griechenland. Auf einen Bürger des antiken Athens kamen allerdings zehn Sklaven, die die Philosophen von der Arbeit freistellten. Zwischenzeitlich wurde die Sklaverei abgeschafft, doch nun kommt sie durch die Hintertür des heraufziehenden Matriarchats wieder zurück. Heute sind es die angeblich freien Männer, die immer mehr in die Rolle des Arbeitssklaven gedrängt werden – oder des Dukatenesels. So zwingt der Staat Vätern im Trennungsfall hohe Unterhaltspflichten auf, und zwar selbst dann, wenn er gehen musste, weil sie eine bessere Partie gefunden hat (siehe liberalkonservative.de/#Unterhaltsrecht).

Insbesondere Familienväter haben kaum noch Zeit für sich selbst, für andere oder eben für Diskussionen über Gott und die Welt. Sie überlassen das Diskutieren den Frauen, die sich meist nur wenig für Politik, Wirtschaft oder dergleichen interessieren. Dementsprechend schlecht ist es mit dem politischen Bewusstsein unserer Zeitgenossen bestellt.

1920 hatte der Maler und Schriftsteller Erich Scheurmann den Versuch gemacht, mit seinen fiktiven ‚Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea‘ unsere Zivilisation aus dem Blickwinkel eines Südsee-Bewohners zu beschreiben. ‚Der Papalagi‚ heißt das Buch, das auch ein Kapitel über den Wettlauf mit der Zeit enthält. Nach einer Europareise warnt der Clanchef aus Samoa vor den Wertvorstellungen der Europäer: „Der Papalagi liebt vor allem auch das, was sich nicht greifen lässt und das doch da ist – die Zeit. Er macht viel Wesens und alberne Rederei darum. Obwohl nie mehr davon vorhanden ist, als zwischen Sonnenaufgang und -untergang hineingeht, ist es ihm doch nie genug“. Scheurmann lässt den Häuptling unter anderem berichten, wie der weiße Mann durch Glockengeläut das Bedauern darüber zum Ausdruck bringt, dass die Stunde, der Tag, der Monat, das Jahr schon wieder so schnell vorüberging: „Wenn dieses Zeitlärmen ertönt, klagt der Papalagi: ‚Es ist eine schwere Last, dass wieder eine Stunde herum ist‘. Er macht zumeist ein trauriges Gesicht dabei, wie ein Mensch, der ein großes Leid zu tragen hat; obwohl gleich eine ganz frische Stunde herbeikommt“.

Dass der Zeit ein so hoher Stellenwert zugemessen werde, sagt Häuptling Tuiavii, müsse „eine Art Krankheit sein: Denn angenommen, der Weiße hat Lust, irgendetwas zu tun, sein Herz verlangt danach, er möchte vielleicht in die Sonne gehen oder auf dem Flusse im Kanu fahren oder sein Mädchen lieb haben, so verdirbt er sich zumeist seine Lust, indem er an dem Gedanken haftet: Mir ward keine Zeit, fröhlich zu sein. Die Zeit wäre da, doch er sieht sie beim besten Willen nicht. Er nennt tausend Dinge, die ihm die Zeit nehmen, hockt sich mürrisch und klagend über eine Arbeit, zu der er keine Lust, an der er keine Freude hat“.

Der Südsee-Insulaner hält damit vor allem den Vollzeit-Berufsmenschen aus der freien Wirtschaft den Spiegel vor. Insbesondere dann, wenn diese auch noch Überstunden machen, handelt es sich meist um Männer. Zur Info: Das ist die Sorte von Menschen, die mit ihrer Arbeitskraft den größten Teil der Steuer- und Abgabenlast trägt. Zwar gibt es die sogenannten Karrierefrauen – die genießen jedoch Wahlfreiheit: Sie haben nämlich nicht nur prinzipiell, sondern meist auch ganz reell die Wahl, Hausfrau und Mutter zu werden, anstatt Karriere zu machen! Die Frauen nehmen die beschriebenen Zwänge also freiwillig auf sich!

Die Freiwilligkeit, mit der sich viele Frauen versklaven lassen, können wir uns am besten vergegenwärtigen, wenn wir die Sanktionen vergleichen, die Karrieremänner und Karrierefrauen zu befürchten haben, sollten sie sich wiederholt in die Sonne legen oder mit dem Kanu den Fluss entlang paddeln, anstatt ins Büro zu fahren. Die Karrierefrau würde den Job verlieren und am Abend ihrem Lebensabschnittsgefährten ins Ohr flüstern, dass er nun Alleinverdiener ist. Dieser würde sich geehrt fühlen, käme sich auf einmal irgendwie wesentlich vor, und im Bett hat es noch nie so gut geklappt wie seit diesem Tag! (Welt vom 30.01.13: Hilft Mann im Haushalt, hat das Paar weniger Sex).

Der Karrieremann würde ebenfalls seinen Job verlieren, wenn er fortgesetzt die Neonsonne am Arbeitsplatz verschmähen und stattdessen lieber zum Baggersee fahren würde. Dass seine Frau aber nun Alleinverdienerin sein soll, das war nicht geplant, und so verliert dieser Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit neben der Arbeit auch seine Frau und darf seine Kinder nur noch alle zwei Wochen sehen. Der Mann verliert also fast alles, was ihm wichtig ist, wofür er gelebt und gearbeitet hat – das ist der große Unterschied! Obendrein muss er sich schnell einen neuen Job suchen, denn jetzt muss er Unterhaltsgeld bezahlen, weil der Verdienst seiner Ex in der Regel nicht reicht, um ihren Lebensstandard (und den der Kinder) zu halten. Denn anders als die Männer scheinen deren bessere Hälften den Rechtsanspruch zu haben, das einmal erreichte Wohlstandsniveau im Wesentlichen beibehalten zu können.

Das muss sich ändern. Vom Staat aufgezwungene Unterhaltspflichten sollten abgeschafft werden, denn sie machen den Mann endgültig zum Arbeitssklaven – auch wenn die Ehe (noch) intakt ist! Während sich der Staat bis Anno 1900 (Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs) aus privaten Angelegenheiten weitgehend heraushielt, müssen im ach so modernen Umverteilungsstaat geschiedene Väter immer höhere Beträge an die Ex und an die Kinder abführen. Dabei wird fast vollständig davon abgesehen, ob das Geld überhaupt gebraucht wird, ob die Zahlung im Verhältnis zum Einkommen aller Beteiligter steht und ob sie moralisch gerechtfertigt ist.

Im Falle einer Scheidung sollte nicht die Justiz, sondern der Familienrat über Sorgerecht und Unterhaltsregelungen befinden. Also die Beteiligten selbst mit Hilfe ihres sozialen Umfelds, so wie es noch bis ins 20. Jahrhundert der Fall war. Die Gerichte sollten sich nur in sehr strittigen Fällen mit Unterhaltsfragen befassen.


Siehe auch mein Beitrag in diesem Blog: Arbeitsverweigerung als persönlicher Generalstreik

Mehr zum Thema in mein Artikel ‚Dem Papalagi zerrinnt die Zeit zwischen den Fingern‘, der am 21.03.13 in freiewelt.de erschien).

2 thoughts on “Gestresste Männer in der Frauengesellschaft

  1. Prima Kommentar, ich stimme voll zu.
    Wir müssen das Modell fahren, welches die machen, die noch nicht so lange hier sind.
    Vollalimentierung durch den Staat !!
    Jedes Kind heisst mehr Einkommen.

  2. Lieber Thomas, eine gelungene Zusammenfassung der Realität. Ergänzen könnte man noch vieles. Z.B. die Volkswirtschaftliche Katastrophe, dass die Universitäten mit immer mehr weiblichen Studenten blockiert werden, die anschliessend nicht oder nicht lange im studierten Beruf arbeiten (z.B. Ärztemangel) oder das Ritalindrama der Jungs oder oder oder. Die Realität ist, das diese Erkenntnisse unerwünscht sind und Personen, die sie verbreiten diskredditiert und mundtod gemacht werden. Junge Männer müssen sich der Situation entziehen, idem sie MGTOW praktizieren. Alternativ kann mann ausserhalb der westlichen Welt sehr glücklich werden. Liebe Grüsse aus Köln

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