Kultivierung des Schuldkomplexes durch „Aufarbeitung unseres kolonialen Erbes“

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Marc Jongen
Als kulturpolitischer Sprecher kämpft er gegen den Schuldkult: Bereits am 31.01.19 hatte Jongen den National-Sozialismus als eine Spielart des Sozialismus bezeichnet, der auch unter Stalin und Mao unendliches Leid über die Menschheit gebracht habe. Diesmal gab er den Grünen Kontra. Hier die Rede in schriftlicher Form. Foto: Screenshot

Marc Jongen bezeichnete einen Antrag der Grünen als „Blaupause zur Leerräumung deutscher Museen – vom höchsten moralischen Ross herab!“ Der Vorwurf des Karlsruher AfD-Politikers: „Es geht einzig und allein um die Kultivierung eines Schuldkomplexes in Bezug auf die deutsche Kolonialgeschichte! Dieser soll als psychopolitische Grundlage dienen für die Akzeptanz von Massenmigration und Multikulturalismus“. Jongen betonte, Afrika habe von der Kolonialisierung auch profitiert und zitierte den Historiker Egon Flaig: „Der europäische Kolonialismus unterband weitgehend die gewaltsamen Versklavungsprozesse, unterdrückte die Warlords und stabilisierte die Lebensverhältnisse“.

Von Thomas Rettig

Der ‚Parteiphilosoph‘ hat am 21.02.19 einmal mehr eine Rede gegen den Schuldkult gehalten. Bereits in seiner Bundestagsrede vom am 31. Januar hatte Jongen den National-Sozialismus als eine Spielart des Sozialismus bezeichnet, der auch unter Lenin, Stalin und Mao unendliches Leid über die Menschheit gebracht habe (Gedenken an NS-Opfer wird politisch missbraucht). Diesmal gab AfD-Abgeordnete den Grünen Kontra, die die „kulturpolitische Aufarbeitung unseres kolonialen Erbes“ beantragten. In der Debatte waren sich die Redner aller Parteien außer der AfD mehr oder weniger einig, dass die Herkunft möglichst vieler Kulturgüter aus ehemaligen Kolonien recherchiert werden müsse, um sie den Ursprungsländern und ihren Nationalstaaten zurückzugeben. Und das wohlgemerkt, ohne ihnen Volkstümelei oder gar Nationalismus vorzuwerfen! AfD-Mann Jongen sprach von der ‚Kultivierung eines Schuldkomplexes‘ (Hintergrundinfos und Video mit der kompletten Debatte zum Thema unter bundestag.de).

Die Grüne Kirsten Kappert-Gonther behauptete, die koloniale Fremdherrschaft über Teile Afrikas, Ozeaniens und Chinas sei ein verdrängtes Kapitel der deutschen Geschichte: „Immer wieder begegnet mir das Vorurteil, Deutschland sei eine unbedeutende und harmlose Kolonialmacht gewesen. Der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung hob jüngst gar die angeblich positive Wirkung des Kolonialismus hervor“. Um einer Verklärung der deutschen Kolonialgeschichte vorzubeugen, sei es nun höchste Zeit, die Verbrechen des Kolonialismus aufzuarbeiten. Brigitte Freihold von den Linken wollte dem nicht nachstehen. Nein, sie ging mit ihren Forderungen noch über die Grünen hinaus: „Anerkennung des Genozids an Herero und Nama, Entschädigung, Wiedergutmachung, Rückgabe geraubter Kulturgüter und nicht zuletzt die Sensibilisierung unserer Gesellschaft in der schulischen, politischen und kulturellen Bildung“.

Bei dem angeblichen Völkermord an den Herero handelt es sich nach meinem Kenntnisstand um einen Kolonialkrieg (1903 bis 1904), den die Herero in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (dem heutigen Namibia) angezettelt hatten, und zwar mit grausamen Überfällen auf deutsche Siedler. Dabei sollen die Herero laut Wikipedia zwar meist die Frauen und Kinder verschont haben, „die deutschen Männer wurden allerdings unterschiedslos getötet“ (siehe auch Claus Nordbruch: Völkermord an den Herero in Deutsch-Südwestafrika?; Tübingen 2006). Laut dem Brockhaus-Lexikon (DVD 2008) waren die Herero ein aggressives Hirtenvolk, das im 17. und 18. Jahrhundert von Norden eingewandert und in Konflikt mit den im Süden ansässigen Nama geraten war.

Hier die Rede von Marc Jongen im Wortlaut nach dem Plenarprotokoll des Bundestags:

„Herr Präsident, werte Abgeordnete, die Bundesregierung hat angekündigt, die Provenienz-Forschung zum Kulturgut aus kolonialem Erbe in deutschen Museen fördern und vorantreiben zu wollen. Am Ziel dieses Vorhabens haben die Kulturstaatsministerin Grütters und Sie, Frau Müntefering, keinen Zweifel gelassen. „Von Museen und Sammlungen erwarten wir die Bereitschaft, sich offen der Frage einer Rückgabe von Kulturgütern … zu stellen“, schreiben Sie in einem gemeinsamen Artikel. Und im Vorspann steht drohend: „Eine Rückgabe der Kulturgüter ist erst der Anfang“ [FAZ vom 15.12.2018].

Ja, meine Damen und Herren, es wird munter weitergehen mit dem Ausverkauf unseres Landes; das wird inzwischen ganz unverhohlen angekündigt. Und einmal mehr wird hier in der deutschen Politik Moral oder besser Moralismus über das Recht gestellt. Die AfD stellt sich dem auch in kulturpolitischer Hinsicht entschieden entgegen, meine Damen und Herren! Gemeinsam mit anderen Kollegen der AfD-Fraktion habe ich eine Große Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Die Antworten sind mehr als dürftig ausgefallen. Der Ressourcenbedarf der Provenienzforschung, nach dem wir fragten, sei nach „Kenntnis der Bundesregierung … nicht quantifizierbar“. Die Verantwortung wird diesbezüglich an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz abgeschoben. Wie die Bundesregierung sicherstellen will, dass zurückgegebene Artefakte nicht in Privathände gelangen, darauf haben wir gar keine Antwort erhalten.

Auf die Frage, ob die kuratorischen und konservatorischen Leistungen der ethnologischen Sammlungen in Berlin jemals gewürdigt worden sind durch afrikanische Staaten, antwortet die Bundesregierung, diese Frage stelle sich gar nicht. Auch ob die Kunstwerke dort überhaupt sachgerecht konserviert und präsentiert werden können, spielt offenbar keine Rolle. Es geht in dieser Debatte gar nicht um die Wertschätzung der betroffenen Objekte, meine Damen und Herren, es geht einzig und allein – wir haben es vorhin im grünen Redebeitrag gehört – um die Kultivierung eines Schuldkomplexes in Bezug auf die deutsche Kolonialgeschichte!

Dieser hat einen ganz bestimmten Zweck: Er soll als psychopolitische Grundlage dienen für die Akzeptanz von Massenmigration und Multikulturalismus. Das ist das erklärte politische Ziel der Restitutions-Aktivisten! – Ja, Sie lachen! – Wer das nicht glaubt, soll dem kamerunischen Politologen und Aktivisten Achille Mbembe zuhören, der bei einem Kolloquium des Auswärtigen Amtes im letzten Jahr einen klaren Zusammenhang zwischen Restitution von Kulturgut und Rücksendung von sogenannten Flüchtlingen hergestellt hat. Er warb dort für eine Kultur des Teilens und ein Ende des Eigentumsdenkens – zu wessen Ungunsten, das dürfte auf der Hand liegen! Die Grünen beten es ihm in ihrem Antrag nach: eine Blaupause zur Leerräumung deutscher Museen, gegen das Recht, aber vom höchsten moralischen Ross herab, wie es eben so Ihre Art ist, werte Grüne.

Der französische Präsident Macron, der offenbar eine Art Hohepriester des Restitutionskults werden möchte, hat den Kolonialismus „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und eine wahre Barbarei“ genannt. Es steht außer Frage, meine Damen und Herren, dass im Zuge des Kolonialismus schlimme und schlimmste Verbrechen begangen worden sind. Aber es ist eben auch wahr – jetzt kommt die andere Seite; hören Sie doch mal zu! – wie der Historiker und Sklaverei-Experte Professor Egon Flaig festgestellt hat. Zitat: „Der europäische Kolonialismus unterband weitgehend die gewaltsamen Versklavungsprozesse, unterdrückte die Warlords und stabilisierte die Lebensverhältnisse; er hat Afrika nach einer 1000-jährigen Geschichte von blutigster Gewalt und Völkermorden die Möglichkeit zu neuen Wegen eröffnet.“ [Weltgeschichte der Sklaverei; Kapitel 4 – dieses Zitat im Kontext siehe liberalkonservative.de/#Schuldkult].

Dieser Aspekt wird in dieser Debatte völlig unterschlagen! Stattdessen geben die simplen und hypermoralischen Pauschalurteile der schon erwähnten Frau Bénédicte Savoy den Ton an, die sowohl Macron als auch unsere Kulturstaatsministerin Grütters berät. Demnach klebt an dem ausgestellten afrikanischen Kulturgut ganz pauschal Blut und „unsere afrikanischen Kollegen müssen selbst entscheiden, was sie zurückhaben wollen“.

Meine Damen und Herren, das ist die Ideologie des Dekolonialismus, gegen die man sich in Frankreich inzwischen sehr prominent zur Wehr setzt. Eine Gruppe von 80 Intellektuellen, angeführt von Alain Finkielkraut, hat in einem Appell der 80 im vergangenen November klar festgestellt, dass die dekolonialistischen Ideologen „Methoden des intellektuellen Terrorismus“ anwenden, indem sie alle ihre Gegner des Rassismus oder der Islamophobie beschuldigen, indem sie Schuldgefühle ausbeuten, Ressentiments anheizen, interethnischen Hass und Spaltungen schüren. [Finkielkraut machte außerdem kürzlich die Masseneinwanderung für den wachsenden Antisemitismus verantwortlich: Junge Freiheit vom 20.02.19].

Auf dieser Grundlage kann keine sachgerechte Debatte geführt werden. Die AfD fordert hier, von moralistischen Überfrachtungen Abstand zu nehmen und sich im Übrigen an Recht und Gesetz zu halten, wie es im ‚Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten‘ des Deutschen Museumsbundes festgehalten ist! Vielen Dank. Lesen Sie das doch mal!“


Siehe das zum Thema passende Kapitel auf meiner Seite liberalkonservative.de: Vom Schuld-Kult des Westens


Nachtrag: Marc Jongen war zwei Jahre Landesvorsitzender der AfD Baden-Württemberg und ist seit 24.02.19 erster stellvertretender Vorsitzender. Anfang 2019 geriet er wegen eines Parteiausschlussverfahrens in die Kritik vieler AfD-Mitglieder. Siehe mein Beitrag in diesem Blog: Die neue Säuberungswelle in der AfD am Beispiel von Stefan Räpple.

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