Die Leine des Grauens vor dem Bundeskanzler*innen-Amt

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble bezeichnete heute gegenüber der Stuttgarter Zeitung die deutsche „Flüchtlingspolitik“ als „im Nachhinein nicht klug“.

Die Leine des Grauens vor dem Bundeskanzleramt und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble
Die Leine des Grauens vor dem Bundeskanzleramt und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der am 20.01.2019 sagte, die deutsche Flüchtlingspolitik habe zur politischen Spaltung Europas beigetragen. Video-Screenshots: Rettig

Von Thomas Rettig

Am 19.01.19 trafen sich knapp 50 Patrioten zu einer Kundgebung vor dem Amtssitz von Angela Merkel mit der Leine des Grauens. Es handelt sich dabei um eine Initiative, die mit aufgereihten laminierten Artikeln über die unzähligen Gewalttaten an Einheimischen das „Komplettversagen der Einwanderungspolitik“ visualisiert. Die Gruppe um Robert Emil Vogelmann ist mit ihrer Leine des Grauens immer wieder bei einigen der regionalen Demonstrationen dabei, um an die Opfer der Masseneinwanderung zu erinnern (z.B. am 03.11.18 in Kandel). Vogelmann (genannt auch Robert Einzelfall) bezeichnete am vergangenen Samstag in Berlin vor dem Repräsentationsbau der Kanzlerin die ständig länger werdende Leine als Mahnmal der Schande und klagte an: „Im Monat Dezember bis zum 15. Januar haben wir bis jetzt 39 Mal Mord und Mordversuche, 16 Vergewaltigungen, 52 sexuelle Übergriffe, 263 Messerangriffe und Raubüberfälle“ (Minute 14:05).

Den Gutmenschen schrieb Vogelmann ins Stammbuch: „Ihr belügt nicht nur das deutsche Volk, sondern auch alle, die wegen wirklich lebensbedrohlicher Umstände nach Deutschland fliehen: Die Christen, die in Deutschland ihren IS-Peinigern wieder begegnen. Die Frauen, die in Deutschland die Freiheit gespürt haben, die die Wahrheit gekostet haben, und dann von ihren eigenen Männern oder der Familie wegen Steinzeit-Ansichten bestialisch umgebracht wurden: erschossen, erstochen, verätzt, vergiftet, geschächtet, enthauptet – die sogenannten ‚Halsverletzungen‘ – das wollt Ihr alles nicht hören. Diese Worte sollen mit Hass erfüllt sein, obwohl es doch nur die reine Wahrheit ist? In Euren Augen instrumentalisieren wir diese Verbrechen, um unser ‚braunes Gedankengut unters Volk zu bringen‘. Ihr kruden linken gefühllosen Hetzer werft einem sogar Befriedigung vor. Was seid Ihr für arme Geschöpfe! Euer Hass auf alles Rechtmäßige muss schon grenzenlos sein! Ihr, die jede dieser furchtbaren Taten am liebsten vertuschen würdet, da Euer Multikulti-Weltbild vom Einsturz bedroht ist, warum wollt Ihr Euch nicht der Realität stellen?“ (Minute 17:43).

Unterdessen ging Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble einen Schritt auf die Kritiker der Massenmigration zu und bezeichnete am 20.01.2019 die deutsche Migrationspolitik als „im Nachhinein nicht klug“. Sie habe zur politischen Spaltung Europas beigetragen, sagte Schäuble der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten in einem kostenpflichtigen Interview. „Vor allem in der Flüchtlingspolitik ist es uns nicht rechtzeitig gelungen, in der weltweiten Kommunikation die Balance zwischen Hilfsbereitschaft und der Begrenztheit unserer Mittel herzustellen“, so Schäuble weiter. Gefragt nach den Gründen für den Aufstieg der „Rechtspopulisten“, hatte Schäuble im Hinblick auf die Europäische Union kritisiert: „Dann haben wir auch noch eine Ost-West-Debatte daraus gemacht – ich war von Anfang an dagegen, eine gemeinsame Flüchtlingspolitik in erster Linie an der Frage der Verteilung von Flüchtlingen festzumachen. Die kann man nicht dekretieren. Wir hätten die Rechtsverbindlichkeit der Quote nicht in den Vordergrund der Debatte schieben dürfen – das war im Nachhinein nicht klug“ (Welt vom 21.01.19).

Apropos Kanzleramt: Die erst 2001 fertiggestellte Bleibe der Kanzlerin wird demnächst durch einen Erweiterungsbau gegenüber der Spree ergänzt. In der Berliner Zeitung hieß es am 15.01.19 dazu: „Das im Jahr 2001 fertiggestellte Kanzleramt war für 460 Mitarbeiter gebaut worden. Mittlerweile sind aber 750 Beschäftigte für die Regierungszentrale tätig. Die Kosten für den Erweiterungsbau werden auf 460 Millionen Euro geschätzt“. Was die von einem hohen Niveau noch einmal um 63 Prozent aufgestockte Mannschaft so genau macht, dürfte ein Staatsgeheimnis sein. Hoffen wir, dass man dort nicht den Vorläufer eines kommenden ‚Wahrheitsministeriums‘ aufbaut – wie in dem pessimistischen Roman 1984 von George Orwell.

Artikel über die Erweiterung des Bundeskanzleramts
Das erst 2001 bezogene Bundeskanzleramt erhält demnächst für 460 Millionen Euro einen Erweiterungsbau. Foto: Rettig

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